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Gepostet am 25. März 2019 von  Sebastian Hartmann, Consultant bei ORO Services GmbH in Veranstaltungen

Bundesbank-Symposium – Bankenaufsicht im Dialog oder Monolog?

In diesem Jahr fand am 19. März 2019 das Bundesbank Symposium im Kap Europa in Frankfurt am Main statt. 

Das Symposium ist seit einigen Jahren eine der zentralen Veranstaltungen zu Bank- und Bankaufsichtsthemen in Deutschland und war auch in diesem Jahr eine wichtige Plattform zur Präsentation und Diskussion aktueller bankaufsichtlicher und zukünftiger Trends. Vertreter der Bankenaufsicht und der Kreditwirtschaft präsentierten und diskutierten unter anderem folgende drei Hauptthemen:

  • Brexit – strategische Antworten der Finanzindustrie
  • Zukunft der Aufsicht und der Regulierung
  • Den aufsichtlichen Überprüfungsprozess für die weniger bedeutenden Institute

Nach einer einführenden Videogrußbotschaft von Dr. Jens Weidmann zur allgemeinen Situation des Finanzmarktes, stieg Prof. Dr. Joachim Wuermeling mit seinem Vortrag – Was geht, was bleibt, was kommt? – in die aktuelle Situation des deutschen Bankensektors ein. Die große Welle neuer aufsichtlicher Vorgaben scheint vorerst vorüber zu sein. Laut Wuermeling ist nicht mehr viel in der Pipeline. Die aktuellen Regulierungsvorhaben würden nun noch finalisiert; danach werde sich die Aufsicht auf die Überwachung der Umsetzung und Implementierung der bestehenden Vorgaben fokussieren. Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass in Kraft getretene Regulierungen, wie z.B. MiFID, MiFIR oder EMIR, überarbeitet werden müssen oder feinjustiert werden sollten. Jan Ceyssens, Mitglied der Europäischen Kommission, sprach sich ebenfalls für eine Regelüberprüfung aus, da bereits umfassende Vorgaben, Prozesse und Sanktionen existieren, welche nun evaluiert werden müssen. Die gesetzten aufsichtlichen Ziele könnten dadurch effizienter und für die Marktteilnehmer kostengünstiger erreicht werden, so Ceyssens.

Anpassung von Geschäftsmodellen notwendig

Eine kostengünstigere Zielerreichung ist auch in den Zeiten geringe Margen, Erträge und Zinsen wünschenswert. Diese Zeiten werden sich laut Wuermeling nicht allzu schnell verändern, weshalb sich Kreditinstitute darauf einstellen und ihr Geschäftsmodell anpassen müssten. Hierbei könnte auch eine Konsolidierung und Zentralisierung von Verwaltungsaufgaben helfen, die Betriebskosten zu senken. Im Jahr 2018 gab es bereits 58 Fusionen, welche u.a. dazu dienten einzelne Punkte der Wertschöpfungskette zu zentralisieren. Dabei wurde klargestellt, dass die Aufsichtsbehörden Fusionen neutral gegenüberstehen, so auch einer möglichen Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank – ein Thema, das beim diesjährigen Symposium nahezu ausgeklammert wurde.

Informationstechnologie: Im Visier der Prüfer

Das Thema Digitalisierung sowie die damit verbundenen Risiken stehen ebenfalls unverändert im Fokus der Aufsichtsbehörden. So sieht auch Christian Otto, Abteilungsleiter Koordinierung der nationalen und internationalen laufenden Aufsicht der Deutschen Bundesbank, die IT-Risiken weiter unter den Top 3 Risiken für Kreditinstitute in der nahen Zukunft. Daher sollten sich Kreditinstitut weiterhin darauf einstellen, dass einer der Schwerpunkte der Aufsicht bei Prüfungsbesuchen die Informationstechnologie und die damit verbundenen Risiken bleiben werden. Die Kreditinstitute werden dazu angehalten sich auf weitere Überprüfungen und Kontrollen einzustellen.

Baustelle Proportionalitätsprinzip 

Wesentliche Unterschiede zwischen Theorie und Praxis wurden allerdings beim Proportionalitätsprinzip aufgedeckt. Die Aufsicht räumt ein, dass dies eine „größere Baustelle“ sei. Wuermeling sagte: „Die Grundsatzfrage, wie wichtig Proportionalität in der Regulierung ist und wie sie umgesetzt werden kann, haben wir damit geklärt.“ Das bedeutet, die Basis wurde geschaffen, um kleineren Instituten dort Erleichterungen einzuräumen, wo der Verwaltungsaufwand nicht in einem gesunden Verhältnis zum aufsichtlichen Nutzen steht. Nach dem Vortrag von Herrn Stephan Scholl, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Calw, stellt sich allerdings die Frage, ob sich die Aufsicht nur dem der Proportionalität oder vielmehr auch mit der grundlegenden Haltung der Prüfer gegenüber zu Prüfenden befassen sollte. Das Symposium trägt den Titel „Bankenaufsicht im Dialog“, doch der Sparkassenvorstand hat klargestellt, dass der Regulator bei vor Ort-Prüfungen als Obrigkeit auftritt, die eigenen Vorstellungen durchsetzt und Transparenz im Hinblick auf die Herleitung der aufsichtlichen Einstufungen der Häuser bzw. auch die Festlegung von SREP-Zuschlägen im Stress fehlt. Des Weiteren führen unterschiedliche Qualifikationen der Mitarbeiter in den Aufsichts-Institutionen und in den LSIs seiner Meinung nach zu Konflikten. Scholl äußerte sich hierzu wie folgt: „Systemische und quantitative Perfektion stößt im Umgang mit LSIs auf Pragmatismus und Individualität“. Also gilt in der Praxis vielleicht eher: Bankenaufsicht im Monolog statt Dialog?

 

Mit aktuellen Trends der Aufsicht befasst sich nicht nur das Bundesbank-Symposium. ORO Services und Severn veranstalten dieses Jahr im September das Forum Finanzmarktregulatorik. Die Schwerpunkte des Forums werden die aktuellen regulatorischen Entwicklungen, die Prüfungsschwerpunkte der Aufsicht sowie die Künstliche Intelligenz umfassen. Dazu konnten wir bereits renommierte Redner aus Aufsicht, Finanzbranche und Forschung gewinnen. Alle Kunden, Interessenten und Geschäftspartner sind herzlich zum unserem kostenfreien Event eingeladen. Weiterführende Informationen zum Forum Finanzmarktregulatorik erhalten Sie in Kürze auf www.oro-services.de und www.severn.de

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