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Texas Ratio (TR)

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Definition des Begriffs

Die Texas-Ratio (TR) ist eine Finanzkennzahl zur Bewertung der Kreditqualität und Ausfallwahrscheinlichkeit von Kreditinstituten. Sie wurde von Gerard Cassidy und seinem Team bei RBC Capital Markets in den frühen 1980er Jahren entwickelt, als die Bankenkrise in Texas analysiert wurde. Die Kennzahl setzt notleidende Vermögenswerte einer Bank ins Verhältnis zu deren Kapitalausstattung und Risikovorsorgereserven. Sie dient als Frühwarnsystem zur Identifikation von Kreditinstituten, die aufgrund hoher Problemkredite einem erhöhten Insolvenzrisiko ausgesetzt sind. Die Kennzahl wird international eingesetzt, hat aber keine unmittelbare rechtliche Verbindlichkeit in der Bankenaufsicht.

 

Berechnungsmethode

Die Texas-Ratio wird wie folgt berechnet:

Texas Ratio = (Notleidende Kredite + Zwangsverwertete Immobilien) / (Hartes Kernkapital + Risikovorsorge)

Im Detail:

  • Zähler: Non-Performing Loans (NPL), also ausgefallene oder gefährdete Kredite, zuzüglich Real Estate Owned (REO), also durch Zwangsvollstreckung erworbene Immobilien
  • Nenner: Tangible Common Equity (hartes Kernkapital ohne immaterielle Vermögenswerte) plus Loan Loss Reserves (Rückstellungen für Kreditausfälle)

Das Ergebnis wird meist in Prozent ausgedrückt. Ein Wert von 100 Prozent oder darüber signalisiert, dass die problembehafteten Vermögenswerte das zur Verlustabsorption verfügbare Kapital erreichen oder übersteigen.

 

Interpretation und Schwellenwerte

Gerard Cassidy stellte bei der Analyse texanischer Banken während der Rezession der frühen 1980er Jahre fest, dass Institute typischerweise ausfielen, wenn die Texas-Ratio die Schwelle von 100 Prozent erreichte oder überschritt. Dieses Muster bestätigte sich später bei der Analyse von Banken in Neuengland während der Rezession Anfang der 1990er Jahre.

Bewertungsskala:

  • Unter 50 Prozent: solides Risikoprofil, ausreichende Kapitalreserven
  • 50 bis 100 Prozent: erhöhtes Risiko, Überwachungsbedarf
  • Über 100 Prozent: kritische Situation, hohes Insolvenzrisiko

Die Kennzahl ermöglicht eine schnelle Einschätzung, ob ein Institut über ausreichende Eigenmittel verfügt, um potenzielle Verluste aus notleidenden Krediten aufzufangen.

 

Anwendungsbereich und Grenzen

Die Texas-Ratio wird primär eingesetzt:

  • In der Kreditwirtschaftsanalyse als Frühwarnsystem
  • Bei der Bewertung kleinerer und mittlerer regionaler Banken
  • Zur historischen Analyse von Bankenkrisen
  • Als Ergänzung zu regulatorischen Kennzahlen wie CET1-Quote oder Leverage Ratio

Grenzen der Kennzahl:

  • Keine aufsichtsrechtliche Verbindlichkeit
  • Begrenzte Vorhersagekraft in stabilen Marktphasen
  • Retrospektiver Charakter, keine echte Früherkennung
  • Vernachlässigung anderer Risikokategorien wie Markt- oder Liquiditätsrisiken
  • Weniger geeignet für große, diversifizierte Institute

Die Texas-Ratio sollte daher stets im Kontext weiterer Kennzahlen und qualitativer Faktoren interpretiert werden.

 

Relevanz im Finanzsektor

Die Texas-Ratio erlangte während der Finanzkrise 2008 sowie bei späteren regionalen Bankenkrisen erneut Aufmerksamkeit. Sie bietet Investoren, Analysten, Aufsichtsbehörden und Einlegern ein einfaches, intuitives Instrument zur Risikoeinschätzung von Kreditinstituten. Trotz ihrer Einfachheit ermöglicht sie eine schnelle Identifikation von Instituten mit übermäßiger Kreditrisikokonzentration. In Verbindung mit aufsichtsrechtlichen Kennzahlen gemäß CRR, Basel III und nationalen Standards wie den MaRisk trägt sie zu einem umfassenderen Risikobild bei.

 

Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de

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