Definition des Begriffs
Ein Transaktionsregister (TR; englisch: trade repository) ist eine zentrale elektronische Datenbank, die Transaktionsdaten zu außerbörslich gehandelten Derivategeschäften (OTC-Derivate) sowie zu Wertpapierfinanzierungsgeschäften systematisch sammelt, speichert und Aufsichtsbehörden sowie berechtigten Marktteilnehmern zur Verfügung stellt. Transaktionsregister sind spezialisierte Infrastruktureinrichtungen, die der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) zur Registrierung vorgelegt und von dieser beaufsichtigt werden. Sie dienen der Erhöhung der Transparenz und der Identifikation systemischer Risiken auf den Finanzmärkten.
Die Einführung von Transaktionsregistern geht auf den G-20-Gipfel in Pittsburgh im September 2009 zurück, bei dem als Reaktion auf die globale Finanzkrise beschlossen wurde, sämtliche außerbörslich gehandelten Derivategeschäfte an zentrale Register zu melden. Diese Maßnahme sollte die bisherige Praxis dezentraler Dokumentation auf Ebene einzelner Kontrahenten ablösen und die Transparenzlücke schließen, die es Aufsichtsbehörden und Marktteilnehmern erschwert hatte, Risiken frühzeitig zu erkennen.
Rechtsgrundlagen und Anwendungsbereiche
Transaktionsregister sind primär in zwei zentralen EU-Verordnungen verankert:
Meldepflichtige Informationen umfassen Vertragsdetails wie Kontrahenten, Nominale, Laufzeiten, Sicherheiten und Änderungen oder Beendigungen von Geschäften. Die Meldung erfolgt in der Regel binnen eines Geschäftstages nach Abschluss, Änderung oder Beendigung der Transaktion.
Registrierung und Aufsicht
Die Zulassung und Überwachung europäischer Transaktionsregister obliegt ausschließlich der ESMA gemäß Artikel 55 ff. EMIR. Unternehmen, die als Transaktionsregister tätig werden möchten, müssen nachweisen, dass sie umfassende technische, organisatorische und rechtliche Anforderungen erfüllen, insbesondere in Bezug auf Datensicherheit, Verfügbarkeit, Integrität, Vertraulichkeit und Geschäftskontinuität. Zu den bekanntesten registrierten Transaktionsregistern gehören REGIS-TR, DTCC Data Repository (Ireland) PLC und Bloomberg Trade Repository Limited.
In Deutschland ist derzeit kein Transaktionsregister ansässig. Deutsche Marktteilnehmer nutzen europaweit registrierte Register oder beauftragen spezialisierte Dienstleister mit der Meldung.
Relevanz
Transaktionsregister spielen eine zentrale Rolle für die Finanzmarktstabilität. Sie ermöglichen Aufsichtsbehörden wie der ESMA, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Deutschen Bundesbank den Zugriff auf detaillierte und aggregierte Marktdaten. Dadurch können systemische Risiken, Konzentrationen und potenzielle Ansteckungseffekte frühzeitig erkannt und adressiert werden. Die Meldepflicht betrifft nahezu alle Marktteilnehmer im Derivate- und Wertpapierfinanzierungsgeschäft und ist integraler Bestandteil der europäischen Finanzmarktregulierung.
Verwandte Begriffe
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de
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