Definition des Begriffs
Systemically Important Payment Systems, deutsch systemrelevante Zahlungssysteme, bezeichnet Zahlungsverkehrssysteme, deren Ausfall oder Störung erhebliche Auswirkungen auf Finanzstabilität, Geldmärkte, Banken, Unternehmen und öffentliche Stellen haben kann. Ein SIPS ist kein einzelnes Institut, sondern eine Finanzmarktinfrastruktur für die Übertragung, Verrechnung und Abwicklung von Zahlungen. Im Euroraum werden systemrelevante Zahlungssysteme durch das Eurosystem überwacht. Die rechtliche Verankerung ergibt sich insbesondere aus der Verordnung (EU) 2025/1355 der Europäischen Zentralbank über Aufsichtsanforderungen an systemrelevante Zahlungssysteme. Sie löste die frühere Verordnung (EU) Nr. 795/2014 ab und regelt Identifizierung, Pflichten und Überwachung von SIPS-Betreibern.
Vorkommen und Verwendung
SIPS kommen bei Großbetragszahlungssystemen und bei Massenzahlungssystemen mit systemischer Bedeutung vor. Betreiber sind für Organisation, Risikomanagement, Betriebsfähigkeit und regelkonforme Durchführung verantwortlich. Die Überwachung erfolgt durch Zentralbanken des Eurosystems, abhängig von Zuständigkeit und Sitz des Systems. Bewertungen erfolgen laufend und anlassbezogen, etwa bei technischen Änderungen, Störungen, erhöhtem Transaktionsvolumen oder neuen Risiken.
Kernbereiche sind:
Relevanz
SIPS sind für Finanzmärkte zentral, weil Zahlungen zwischen Banken, Zentralbanken, Finanzmarktinfrastrukturen, Unternehmen und öffentlichen Haushalten zuverlässig abgewickelt werden müssen. Störungen können Liquiditätsengpässe, verspätete Wertpapierabwicklungen, Vertrauensverluste und Ansteckungseffekte auslösen. Aufsichtliche Anforderungen zielen deshalb auf Sicherheit, Effizienz und Kontinuität. Für Betreiber entstehen umfangreiche Dokumentations-, Steuerungs- und Meldepflichten. Für Teilnehmer sind stabile Regeln, verfügbare Liquidität und belastbare Schnittstellen entscheidend. Die Einstufung als SIPS kann zusätzliche Prüfungen, Maßnahmen, Berichtspflichten und technische Anpassungen auslösen.
Beispiel / Synonyme oder verwandte Begriffe
Weitere Informationen
Weitere Bezugspunkte sind die Finalitätsrichtlinie, die Verordnung zu Zentralverwahrern, TARGET-Regelwerke, nationale Zentralbankvorgaben und internationale Standards des Ausschusses für Zahlungsverkehr und Marktinfrastrukturen sowie der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden. SIPS-Betreiber müssen über robuste Verfahren für Risikoidentifikation, Störungsmanagement, Informationssicherheit, Teilnehmerausfälle und Wiederanlauf verfügen. Wesentliche Änderungen am System, Governance-Strukturen oder ein Risikoprofil können eine erneute aufsichtliche Bewertung erforderlich machen.
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de
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