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Regulatory Technical Standards (RTS)

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Definition des Begriffs

Regulatory Technical Standards, abgekürzt RTS, sind verbindliche technische Regulierungsstandards des europäischen Finanzmarktrechts. Sie konkretisieren Anforderungen aus Basisrechtsakten, etwa Verordnungen oder Richtlinien, ohne deren politischen Kern zu verändern. Entwickelt werden sie in der Regel von den Europäischen Aufsichtsbehörden EBA, ESMA und EIOPA. Die Europäische Kommission nimmt RTS als delegierte Rechtsakte oder Durchführungsrechtsakte an. Nach Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union gelten sie unmittelbar, sofern der jeweilige Rechtsakt nichts anderes vorsieht. Ein einzelner RTS trägt regelmäßig eine eigene Verordnungsnummer, einen Anwendungsbeginn und detaillierte Anhänge. Ein allgemeines einheitliches Geltungsdatum besteht nicht, weil jeder Standard an den jeweiligen Basisrechtsakt gebunden ist. Übergangsfristen können in der Basisverordnung, im RTS selbst oder in begleitenden Änderungsrechtsakten geregelt sein.

 

Einordnung der Relevanz

RTS besitzen eine hohe praktische Bedeutung, weil sie abstrakte Vorgaben der Level 1 Gesetzgebung in prüfbare Detailregeln übersetzen. Sie stehen regelmäßig im Zusammenhang mit Regelwerken wie CRR, CRD, MiFID II, EMIR, Solvency II, DORA oder der Marktmissbrauchsverordnung. Betroffen sind vor allem Banken, Wertpapierfirmen, Handelsplätze, Versicherer, Zahlungsdienstleister, Fondsverwaltungen, zentrale Gegenparteien und weitere beaufsichtigte Finanzmarktteilnehmer. Sie sichern eine einheitliche Aufsichtspraxis im Binnenmarkt und begrenzen nationale Abweichungen bei technischen Anforderungen an Institute und Marktinfrastrukturen.

 

Betroffene

Verpflichtet sind die Unternehmen, Institutionen und Infrastrukturen, die im jeweiligen Basisrechtsakt oder RTS ausdrücklich erfasst werden. Dazu zählen auch Leitungsorgane, Kontrollfunktionen, Auslagerungsbeauftragte, Risikomanagement, Compliance, interne Revision und IT Sicherheitsfunktionen. Ausnahmen ergeben sich nur aus dem einschlägigen Unionsrecht, etwa durch Schwellenwerte, Proportionalität oder besondere Übergangsregeln.

 

Anforderungen und Pflichten

  1. Governance und Verfahren
    Pflichten zur Dokumentation, Genehmigung, Überwachung und Eskalation interner Prozesse.
  2. Risiko und Kapitalanforderungen
    Vorgaben zu Messmethoden, Bewertungsmodellen, Stresstests, Meldewegen und Kontrollmechanismen.
  3. Transparenz und Marktintegrität
    Regeln zu Offenlegung, Transaktionsmeldungen, Produktinformationen, Datenqualität und Aufzeichnungspflichten.
  4. Operationelle Resilienz
    Anforderungen an IKT Risikomanagement, Auslagerungen, Sicherheitsvorfälle, Notfallplanung und Vertragsinhalte.

 

Weitere Informationen

RTS entstehen nach einem formalisierten Verfahren. Die zuständige europäische Aufsichtsbehörde erstellt Entwürfe, führt häufig Konsultationen durch und übermittelt den Entwurf an die Europäische Kommission. Das Europäische Parlament und der Rat können je nach Rechtsgrundlage Kontrollrechte ausüben. Nationale Aufsichtsbehörden wenden die fertigen Standards in ihrer laufenden Aufsicht an und prüfen deren Einhaltung in Meldungen, Prüfungen, Erlaubnisverfahren und Verwaltungspraxis.

 

 

Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de

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