Definition des Begriffs
Required Stable Funding, kurz RSF, bezeichnet den regulatorischen Mindestbetrag an stabiler Finanzierung, den ein Kreditinstitut zur Deckung seiner Aktiva und außerbilanziellen Positionen vorhalten muss. Das Konzept ist integraler Bestandteil der Net Stable Funding Ratio, kurz NSFR, die seit dem 1. Januar 2018 als verbindliche Liquiditätskennzahl im Rahmen von Basel III gilt. Das RSF bildet den Nenner der NSFR-Quote und stellt sicher, dass Institute ihre Vermögenswerte mit ausreichend langfristiger und verlässlicher Refinanzierung unterlegen. Die Höhe des RSF richtet sich nach der Liquiditätsqualität, der Restlaufzeit und der Verfügbarkeit der einzelnen Aktivposten sowie nach dem potenziellen Liquiditätsbedarf aus außerbilanziellen Geschäften. Ziel ist es, eine nachhaltige Refinanzierungsstruktur zu fördern und die Abhängigkeit von kurzfristigen Geldmarktmitteln zu begrenzen.
Vorkommen und Verwendung
Der RSF wird im Rahmen der NSFR-Berechnung verwendet, die in der Capital Requirements Regulation, kurz CRR, sowie in den Basel-III-Standards des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht verankert ist. Zur Ermittlung des RSF werden die Buchwerte sämtlicher Aktiva sowie außerbilanzieller Verpflichtungen in definierte Kategorien eingeteilt und mit einem RSF-Faktor zwischen 0 Prozent und 100 Prozent gewichtet. Vermögenswerte mit hoher Liquidität, etwa Zentralbankreserven oder erstklassige Staatsanleihen, erhalten niedrige RSF-Faktoren von 0 Prozent oder 5 Prozent. Langfristige Kredite, insbesondere solche mit Laufzeiten über einem Jahr, werden hingegen mit RSF-Faktoren von 65 Prozent, 85 Prozent oder 100 Prozent belegt. Belastete Aktiva, also Vermögenswerte, die als Sicherheit verpfändet oder anderweitig gebunden sind, erhalten grundsätzlich einen Faktor von 100 Prozent, sofern die Belastung länger als ein Jahr besteht. Auch Derivatepositionen und außerbilanzielle Zusagen fließen in die RSF-Berechnung ein.
Relevanz
Der RSF ist ein zentrales Steuerungselement der strukturellen Liquidität und der langfristigen Finanzierungsstabilität. Institute müssen sicherstellen, dass das Available Stable Funding, kurz ASF, also die verfügbare stabile Refinanzierung, das RSF mindestens zu 100 Prozent abdeckt. Eine NSFR-Quote unter 100 Prozent signalisiert einen Refinanzierungsbedarf und kann aufsichtsrechtliche Maßnahmen nach sich ziehen. Die RSF-Faktoren schaffen Anreize, illiquide oder langfristig gebundene Vermögenswerte mit entsprechend langfristigen Passiva zu finanzieren. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde, kurz EBA, und die Europäische Zentralbank, kurz EZB, überwachen die Einhaltung der NSFR im Rahmen des einheitlichen Aufsichtsmechanismus, kurz SSM. Die RSF-Kalkulation wirkt unmittelbar auf die Geschäftsmodellgestaltung, die Bilanzstruktur und die Refinanzierungspolitik der Institute.
Beispiel oder verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe sind Available Stable Funding, kurz ASF, Net Stable Funding Ratio, kurz NSFR, Liquidity Coverage Ratio, kurz LCR, sowie strukturelle Liquidität und Fristentransformation. Im Gegensatz zur LCR, die kurzfristige Liquiditätsrisiken über 30 Tage betrachtet, fokussiert die NSFR auf einen Zeithorizont von einem Jahr.
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de
Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an. Wir senden Ihnen eine E-Mail zum Zurücksetzen Ihres Passwortes.