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Risk Appetite Framework (RAF)

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Definition des Begriffs

Risk Appetite Framework, kurz RAF, bezeichnet den Rahmen für die Festlegung, Steuerung, Überwachung und Kommunikation der Risikobereitschaft eines Finanzinstituts. Der Begriff wird im Deutschen häufig als Risikobereitschaftsrahmen verstanden. Das RAF ist kein einzelner Rechtsakt, sondern ein internes Governance-Verfahren mit strategischer, organisatorischer und methodischer Funktion. Es verbindet Geschäftsstrategie, Risikostrategie, Kapitalplanung, Liquiditätssteuerung und interne Kontrollsysteme. Rechtlich ist es vor allem in bankaufsichtlichen Anforderungen an solide Unternehmensführung, Risikomanagement und interne Governance verankert. Zentral ist die Übersetzung abstrakter Zielgrößen in steuerbare Vorgaben. Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten, nachvollziehbare Entscheidungswege und eine Verbindung zwischen Risikoappetit, Limitsystem und Managementinformationen.

 

Vorkommen und Verwendung

Ein RAF wird insbesondere von Banken, Wertpapierinstituten, Versicherungsunternehmen und Finanzgruppen verwendet. Die Geschäftsleitung legt die Risikobereitschaft fest, das Leitungs- oder Aufsichtsorgan überwacht deren Angemessenheit. Risikocontrolling, Compliance, interne Revision und Fachbereiche wirken an Ausgestaltung und laufender Überprüfung mit. Die Überprüfung erfolgt mindestens jährlich und zusätzlich bei wesentlichen Änderungen des Geschäftsmodells, der Marktbedingungen oder der Risikolage. Dabei müssen qualitative Vorgaben und quantitative Kennzahlen konsistent sein, damit Steuerungsimpulse nicht widersprüchlich wirken.

Typische Kernbereiche sind:

  1. Risikostrategie, mit qualitativen Aussagen zu akzeptierten und nicht akzeptierten Risiken
  2. Risikotoleranzen, mit quantitativen Limiten für Kapital, Liquidität, Erträge, Kreditrisiken, Marktpreisrisiken und operationale Risiken
  3. Eskalationsprozesse, wenn Schwellenwerte überschritten werden
  4. Berichterstattung, mit regelmäßigen Informationen an Leitungsorgane und Ausschüsse

 

Relevanz

Das RAF konkretisiert, welche Risiken ein Institut im Rahmen seines Geschäftsmodells eingehen darf. Es beeinflusst Kreditvergabe, Handelsaktivitäten, Produktgenehmigungen, Outsourcing, Vergütungssysteme und Sanierungsplanung. Aufsichtliche Prüfungen nutzen das RAF, um die Qualität der Risikosteuerung, die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells und die Konsistenz mit Kapital- und Liquiditätsausstattung zu beurteilen. Schwächen können zu Auflagen, Kapitalzuschlägen oder Anpassungen der Governance führen.

 

Beispiel/Synonyme oder verwandte Begriffe

  • Risk Appetite Statement, dokumentierte Erklärung zur Risikobereitschaft
  • Risk Tolerance, messbare Bandbreite zulässiger Risiken
  • Risk Capacity, maximale Risikotragfähigkeit eines Instituts
  • ICAAP, internes Verfahren zur Sicherstellung angemessener Kapitalausstattung
  • ILAAP, internes Verfahren zur Sicherstellung ausreichender Liquidität

 

Weitere Informationen

Das RAF steht in engem Zusammenhang mit SREP, MaRisk, interner Governance, Sanierungsplanung und Vergütungsvorgaben. Relevante Grundlagen finden sich insbesondere in Anforderungen an Leitungsorgane, Risikomanagementfunktionen, Kontrollfunktionen und Risikoberichterstattung. Ein wirksames RAF wird regelmäßig überprüft, bei Strategieänderungen angepasst und durch nachvollziehbare Daten, Limite und Verantwortlichkeiten gestützt.

 

 

Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de

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