Definition des Begriffs
Quantitative Easing, auf Deutsch mengenmäßige oder quantitative Lockerung, ist ein geldpolitisches Instrument der Zentralbanken zur Ankurbelung der Wirtschaft in Krisenzeiten. Bei diesem Verfahren kauft eine Zentralbank in großem Umfang Wertpapiere, insbesondere Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere, von Geschäftsbanken und anderen Finanzinstituten. Durch diese Käufe wird dem Finanzsystem zusätzliche Liquidität zugeführt, die Geldmenge erhöht und die Zinsen gesenkt. Der Begriff wurde 1995 vom Ökonomen Richard Werner geprägt und beschreibt eine unkonventionelle Maßnahme, die zum Einsatz kommt, wenn herkömmliche zinspolitische Instrumente nicht mehr greifen, etwa weil die Leitzinsen bereits nahe null liegen.
Vorkommen und Verwendung
Quantitative Easing wird von Zentralbanken eingesetzt, wenn eine Liquiditätsfalle droht oder eingetreten ist und konventionelle Zinssenkungen keine ausreichende Wirkung mehr zeigen. Das Verfahren wirkt über mehrere Transmissionskanäle:
Kreditkanal: Erhöhung der Liquidität im Bankensektor, Förderung der Kreditvergabe
Portfolioumschichtung: Investoren suchen höher rentierliche Anlagen, steigern Nachfrage nach Aktien und Unternehmensanleihen
Wechselkurseffekt: Schwächung der eigenen Währung, Förderung der Exporte
Vermögenspreiseffekt: Steigende Aktienkurse erhöhen das Vermögen privater Haushalte
Fiskalischer Effekt: Senkung der Refinanzierungskosten für Staaten
Erstmals wurde QE von der Bank of Japan zwischen 2001 und 2006 implementiert. Nach der Finanzkrise 2008 setzten auch die US-amerikanische Federal Reserve, die Bank of England und die Europäische Zentralbank umfangreiche QE-Programme auf. Die EZB startete ihr Programm 2015 und kaufte monatlich bis zu 80 Milliarden Euro an Vermögenswerten.
Relevanz
Quantitative Easing gilt als eines der wichtigsten Instrumente moderner Geldpolitik zur Krisenbekämpfung. Die Maßnahme beeinflusst Zinsniveaus, Wechselkurse, Vermögenspreise und Inflationserwartungen global. Kritiker weisen auf Risiken wie Vermögenspreisinflation, wachsende Ungleichheit und potenzielle Langzeitinflation hin. Die Wirksamkeit des Instruments wird wissenschaftlich kontrovers diskutiert, wobei Studien zentralbankunabhängiger Forscher tendenziell skeptischer ausfallen als Analysen der Zentralbanken selbst.
Beispiele/Synonyme oder verwandte Begriffe
Synonyme: Mengenmäßige Lockerung, Quantitative Lockerung, QE
Verwandte Begriffe: Quantitative Tightening (QT), Offenmarktgeschäfte, Liquiditätsversorgung, Niedrigzinspolitik, negative Zinsen
QE-Programme: QE1, QE2, QE3, QE4 (USA), APP (Asset Purchase Programme, EZB), PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme)
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de
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