Definition des Begriffs
Ein Overnight-Index-Swap, kurz OIS, ist ein Zinsswap, bei dem zwei Parteien Zahlungsströme auf Basis eines täglich berechneten Overnight-Referenzsatzes austauschen. Der deutsche Begriff lautet Tagesgeldsatzswap. Ein OIS ist ein Derivat und dient der Absicherung, Bewertung oder Steuerung kurzfristiger Zinsrisiken. Rechtlich ist er regelmäßig in Rahmenverträgen wie dem ISDA Master Agreement oder deutschen Derivate-Rahmenverträgen eingebettet. Der Begriff steht in engem Zusammenhang mit der Benchmark-Reform, weil moderne OIS-Märkte auf nahezu risikofreien Tagesgeldsätzen wie €STR, SOFR oder SONIA beruhen.
Vorkommen und Verwendung
OIS werden von Banken, Zentralbanken, Wertpapierfirmen, Versicherern, Fonds, Unternehmen und Clearinghäusern genutzt. Sie kommen im Interbankenmarkt, im Liquiditätsmanagement, in der Bewertung besicherter Derivate und bei der Konstruktion von Zinskurven vor. Die variable Seite wird aus täglich beobachteten Overnight-Fixings kapitalisiert oder über einen Durchschnitt berechnet.
Kernbereiche der Verwendung sind:
Relevanz
OIS-Sätze gelten als wichtige Referenz für annähernd risikofreie Zinskurven. Sie spiegeln Erwartungen an kurzfristige Zentralbank- und Geldmarktzinsen wider und beeinflussen die Bewertung vieler Finanzinstrumente. Für Institute sind OIS relevant, weil Sicherheitenstellung, Diskontierung, Risikomessung und Hedge Accounting häufig auf OIS-Kurven aufbauen. Abweichungen zwischen OIS-Sätzen und unbesicherten Interbankensätzen zeigen Marktstress, Liquiditätsprämien oder Kreditrisikoprämien an. Damit ist der OIS auch ein Indikator für die Funktionsfähigkeit des Geldmarkts.
Beispiel/Synonyme oder verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe sind:
Weitere Informationen
Rechtsgrundlagen und Marktanforderungen ergeben sich aus Derivateverträgen, Clearingregeln, EMIR-Vorgaben, Benchmark-Regelungen und Rechnungslegungsstandards. Für zentral geclearte OIS gelten zusätzliche Anforderungen an Margins, Sicherheiten, tägliche Bewertung und Ausfallmanagement. In der Praxis sind genaue Tageszählkonventionen, Fixing-Kalender, Zahlungsfrequenzen, Bewertungsmodelle und Fallback-Regeln entscheidend. OIS sind daher zugleich Handelsinstrument, Bewertungsgrundlage und Referenzgröße für das Zinsrisikomanagement.
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de
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