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Mulitlateral Trading Facility (MTF)

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Definition des Begriffs

Eine Multilateral Trading Facility (MTF), zu Deutsch multilaterales Handelssystem, ist eine elektronische Handelsplattform für Finanzinstrumente, die als Alternative zu traditionellen regulierten Börsen fungiert. Gemäß Artikel 4 Absatz 1 Nummer 22 der Markets in Financial Instruments Directive II (MiFID II) wird ein MTF definiert als multilaterales System, das von einer Wertpapierfirma oder einem Marktbetreiber betrieben wird und das mehrere Kauf- und Verkaufsinteressen Dritter in Finanzinstrumenten zusammenführt. Dies geschieht innerhalb des Systems nach nicht diskretionären Regeln, die zu einem Vertragsabschluss führen. MTFs sind Teil der Kategorie der Handelsplätze (Trading Venues), zu denen neben MTFs auch regulierte Märkte (Regulated Markets) und organisierte Handelssysteme (Organised Trading Facilities, OTF) gehören.

 

Funktionsweise und Merkmale

MTFs operieren als multilaterale Systeme, in denen Handelsaufträge elektronisch erfasst und durch Software-Algorithmen automatisch ausgeführt werden. Im Unterschied zu regulierten Börsen unterliegen MTFs weniger strengen Zulassungsanforderungen, was den Handel mit einer breiteren Palette von Finanzinstrumenten ermöglicht, darunter Aktien, Exchange Traded Funds (ETFs), Anleihen, Derivate und Over-the-Counter-Produkte.

Zentrale Merkmale sind:

  • Vortransparenz: Geld- und Briefkurse werden vor der Orderplatzierung in Echtzeit bereitgestellt
  • Nachtransparenz: Handelsabschlüsse werden unmittelbar nach Ausführung veröffentlicht
  • Nicht-diskretionäre Regeln: Betreiber dürfen Aufträge nicht nach eigenem Ermessen auswählen oder zurückhalten
  • Regelwerk: Jedes MTF muss ein schriftliches Regelwerk führen, das die Funktionsweise und Zugangsbedingungen dokumentiert

MTFs generieren Einnahmen ausschließlich durch Provisionen und Gebühren, wodurch kein Interessenkonflikt mit einzelnen Händlern entsteht.

 

Rechtsgrundlage und Regulierung

Die rechtliche Grundlage für MTFs findet sich in MiFID II (Richtlinie 2014/65/EU), insbesondere Artikel 4 (Definitionen) und Titel II (Zulassung und Betrieb von Handelsplätzen), sowie in MiFIR (Verordnung EU Nr. 600/2014), die Transparenz- und Meldepflichten regelt. Ergänzend gelten technische Regulierungsstandards (RTS) und Durchführungsstandards (ITS) der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA).

In Deutschland unterliegen MTFs der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

 

Relevanz und Bedeutung

MTFs haben seit ihrer Einführung erheblich zur Marktliquidität, Wettbewerbsintensität und Preisfindung auf den europäischen Finanzmärkten beigetragen. Sie bieten institutionellen und privaten Anlegern Zugang zu schnelleren, kostengünstigeren und flexibleren Handelsmöglichkeiten. Durch die Schaffung alternativer Handelsplätze werden Geld-Brief-Spannen reduziert und die Effizienz der Märkte erhöht.

Beispiele für bedeutende MTFs sind Chi-X Europe (eines der größten MTFs weltweit), Liquidnet Europe (spezialisiert auf institutionelle Blockgeschäfte), Tradeweb MTF (festverzinsliche Wertpapiere) und Bloomberg MTF.

 

 

Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de

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