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Multilateral Balancing Payment (MBP)

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Definition des Begriffs

Der Multilateral Balancing Payment (MBP), deutsch multilaterale Ausgleichszahlung, bezeichnet ein Verfahren zur Kostenerstattung zwischen Banken im Rahmen von Lastschrifttransaktionen, insbesondere im Kontext des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums (Single Euro Payments Area, SEPA). Dabei handelt es sich um eine multilateral vereinbarte Gebühr, die von der Bank des Zahlungsempfängers, der Gläubigerbank, an die Bank des Zahlers, die Schuldnerbank, für jede Lastschrifttransaktion gezahlt wird. MBP ist eine spezielle Form des multilateralen Interbankenentgelts (Multilateral Interchange Fee, MIF) und dient dazu, die Kosten auszugleichen, die der Schuldnerbank durch die Abwicklung von Lastschriftverfahren entstehen. Dieser Mechanismus basiert auf der Grundannahme, dass die Nutznießer eines Zahlungssystems, in diesem Fall die Gläubiger und deren Banken, diejenigen entschädigen sollen, die weniger vom System profitieren, deren Teilnahme aber für die Funktionsfähigkeit des Systems essenziell ist.

 

Vorkommen und Verwendung

Der MBP wurde als Kostenerstattungsmodell in mehreren europäischen Ländern für nationale Lastschriftverfahren eingesetzt und im Zuge der Einführung von SEPA diskutiert. Zum Zeitpunkt der SEPA-Einführung verwendeten lediglich sechs EU-Mitgliedstaaten, die etwa 25 Prozent des Marktvolumens repräsentierten, einen MBP pro Transaktion: Belgien (2 Cent pro Transaktion), Spanien (unter 3 Cent), Schweden (11 Cent), Frankreich (12 Cent), Portugal (23 Cent) und Italien (25 Cent). In anderen Ländern wie Deutschland, Österreich, Portugal, Spanien und Frankreich existierten alternativ oder ergänzend Gebührenmodelle für fehlerhafte oder zurückgewiesene Lastschriften (R‑Transaktionen). Die Höhe der multilateralen Ausgleichszahlungen wird üblicherweise von den Bankengemeinschaften festgelegt und kann je nach Land und Zahlungssystem variieren. Bilaterale Vereinbarungen zwischen einzelnen Banken sind grundsätzlich möglich, wobei der MBP als standardisierte Ausfallregelung (Default-Fee) fungiert, falls keine individuelle Vereinbarung getroffen wurde.

 

Relevanz

Die Relevanz des MBP liegt in seiner Funktion als Kostenerstattungsmechanismus, der darauf abzielt, ein wirtschaftliches Gleichgewicht zwischen den Banken herzustellen und sicherzustellen, dass die Schuldnerseite, also die Zahler und deren Banken, nicht durch zusätzliche Gebühren belastet wird. Ohne einen solchen Mechanismus könnten Schuldnerbanken gezwungen sein, die Kosten für die Lastschriftabwicklung direkt an ihre Kunden weiterzugeben, was zu höheren Gebühren für Endverbraucher führen würde. Dies könnte wiederum die Akzeptanz und Nutzung von Lastschriftverfahren erheblich verringern. Studien zeigen, dass über 70 Prozent der befragten Kunden zu alternativen, weniger effizienten Zahlungsmethoden wechseln würden, wenn Lastschriften für sie teurer würden. Der MBP trägt somit zur Stabilität und Attraktivität des Lastschriftverfahrens bei, indem er verhindert, dass Kostenverschiebungen zulasten der Endverbraucher gehen.

Aus wettbewerbsrechtlicher Perspektive steht der MBP jedoch in der Kritik. Die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank haben im Rahmen der SEPA-Implementierung Bedenken geäußert, dass MBP pro Transaktion als wettbewerbsbeschränkende Vereinbarung angesehen werden können. Kritisiert wird, dass kollektiv festgelegte Interbankenentgelte einen Mindestpreis für die Gebühren setzen, die Gläubigerbanken ihren Unternehmenskunden in Rechnung stellen, welche diese Kosten wiederum an die Endverbraucher weitergeben. Da die Bank des Zahlers ihre Einnahmen von der Gläubigerbank erhält, belastet sie den Endverbraucher möglicherweise nicht direkt, was zu einer intransparenten Gebührenstruktur führt. Die Verordnung (EG) Nr. 924/2009 über grenzüberschreitende Zahlungen enthielt deshalb eine Übergangsregelung für MBP, die bis zum 31. Oktober 2012 galt.

 

Beispiel, Synonyme und verwandte Begriffe

  • Synonym: Multilaterale Ausgleichszahlung, Multilateral Interchange Fee (MIF) für Lastschriften
  • Verwandte Begriffe:
    • SEPA Direct Debit (SDD): Einheitliches Lastschriftverfahren im SEPA-Raum
    • R-Transaktion: Fehlerhafte oder zurückgewiesene Lastschrifttransaktion
    • Interchange Fee: Interbankenentgelt bei Kartenzahlungen und anderen Zahlungssystemen
    • Gläubigerbank: Bank des Zahlungsempfängers
    • Schuldnerbank: Bank des Zahlers

 

Weitere Informationen

Die rechtlichen Grundlagen zum MBP finden sich in der Verordnung (EG) Nr. 924/2009 über grenzüberschreitende Zahlungen in der Gemeinschaft sowie in den zugehörigen Arbeitsdokumenten der Europäischen Kommission zur Anwendbarkeit von Artikel 81 EG-Vertrag (heute Artikel 101 AEUV) auf multilaterale Interbankenentgelte im SEPA‑Lastschriftverfahren. Beteiligte Institutionen sind die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) sowie der European Payments Council (EPC) als Koordinierungsgremium der europäischen Banken. Der MBP ist eng verknüpft mit der Entwicklung des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums und der Harmonisierung der europäischen Zahlungsverkehrssysteme.

 

Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de

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