Definition des Begriffs
Das längerfristige Refinanzierungsgeschäft (LRG, englisch: Longer-Term Refinancing Operations, LTRO) ist ein geldpolitisches Instrument der Europäischen Zentralbank (EZB) und gehört zu den Offenmarktgeschäften des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB). LRGs dienen dazu, Kreditinstituten im Euroraum für einen längeren Zeitraum Liquidität in Form von Zentralbankgeld bereitzustellen. Im Unterschied zu den wöchentlich durchgeführten Hauptrefinanzierungsgeschäften mit einwöchiger Laufzeit werden LRGs in der Regel monatlich mit einer Laufzeit von drei Monaten angeboten. In Krisenzeiten hat die EZB die Laufzeiten deutlich verlängert, etwa auf sechs, zwölf oder sogar bis zu 36 Monate.
Vorkommen und Verwendung
LRGs werden als befristete Transaktionen durchgeführt, entweder als Pensionsgeschäfte oder mittels Lombardkrediten. Bei Pensionsgeschäften müssen Geschäftsbanken notenbankfähige Sicherheiten an die EZB übertragen und vereinbaren gleichzeitig deren Rückkauf am Ende der Laufzeit. Die Abwicklung erfolgt über die nationalen Zentralbanken im Standardtenderverfahren, meist als Zinstender. Vor der Finanzkrise machten LRGs etwa 20 Prozent des gesamten Refinanzierungsvolumens aus. Im Zuge der Finanz- und Eurokrise erweiterte die EZB das Volumen massiv. Ende 2011 stellte sie in zwei Operationen insgesamt rund 1.018 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren bereit. Eine Weiterentwicklung sind die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (GLRG, englisch: Targeted Longer-Term Refinancing Operations, TLTRO), die seit 2014 angeboten werden und an die Kreditvergabe der Banken an den nichtfinanziellen Sektor gekoppelt sind.
Relevanz
LRGs tragen zur Stabilität des Geldmarktes bei und sichern die Liquiditätsversorgung der Banken. Sie ergänzen die kurzfristigen Hauptrefinanzierungsgeschäfte und verschaffen insbesondere kleineren Instituten Dispositionssicherheit. Durch die langfristige Mittelbereitstellung wird das Vertrauen am Interbankenmarkt gestützt. In Krisensituationen, etwa während der Staatsschuldenkrise oder der Corona-Pandemie, waren LRGs ein zentrales Werkzeug der EZB, um Liquiditätsengpässe zu verhindern und die Transmission der Geldpolitik zu sichern. Die Geschäfte beeinflussen die Refinanzierungskosten der Banken und damit indirekt die Kreditkonditionen für Unternehmen und Privathaushalte.
Beispiele und verwandte Begriffe
Weitere Informationen
Rechtsgrundlagen finden sich in den Leitlinien der EZB über geldpolitische Instrumente und Verfahren des Eurosystems. Die Abwicklung erfolgt über nationale Zentralbanken wie die Deutsche Bundesbank. Die EZB veröffentlicht regelmäßig Statistiken zu durchgeführten Refinanzierungsgeschäften.
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de
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