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Lifetime Expected Loss (LEL)

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Definition des Begriffs

LEL steht für Lifetime Expected Loss, auf Deutsch erwarteter Verlust über die Laufzeit. Der Begriff bezeichnet ein Verfahren zur Schätzung von Kreditverlusten über die gesamte erwartete Restlaufzeit eines finanziellen Vermögenswerts oder einer Kreditverpflichtung. Er verbindet Ausfallwahrscheinlichkeit, Verlustquote bei Ausfall und Forderungshöhe zum Ausfallzeitpunkt mit Laufzeitannahmen, Sicherheitenwerten und makroökonomischen Szenarien. In der Rechnungslegung steht LEL in engem Zusammenhang mit IFRS 9 und dem Modell der Expected Credit Losses. Dort wird bei signifikanter Erhöhung des Kreditrisikos oder bei bereits wertgeminderten Positionen ein erwarteter Verlust über die Restlaufzeit erfasst, nicht nur ein Zwölfmonatsverlust. Der Begriff beschreibt damit eine Bewertungslogik, keine eigenständige Kapitalquote.

 

Vorkommen und Verwendung

LEL wird vor allem im Kreditrisikomanagement, in der Risikovorsorge, in Modellvalidierungen und in Portfolioanalysen verwendet. Banken, Leasinggesellschaften, Finanzdienstleister und bilanzierende Unternehmen nutzen die Schätzung für Kredite, Anleihen, Leasingforderungen, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Kreditzusagen und Finanzgarantien.

Typische Anwendungsbereiche sind:

  • Stufe 2 nach IFRS 9 bei signifikanter Erhöhung des Kreditrisikos
  • Stufe 3 bei objektiv wertgeminderten finanziellen Vermögenswerten
  • Lifetime-Berechnungen für Portfolios mit längeren Vertragslaufzeiten
  • Szenarioanalysen für Konjunktur, Zinsen, Arbeitslosigkeit oder Immobilienpreise
  • Überwachung von Bonitätsmigrationen und Frühwarnindikatoren

 

Relevanz

LEL ist relevant, weil die Schätzung frühzeitig Verluste berücksichtigt, die erst in späteren Perioden eintreten können. Dadurch reagiert die Risikovorsorge stärker auf veränderte Kreditqualität, Laufzeitstruktur und wirtschaftliche Erwartungen. Für Institute beeinflusst LEL Ergebnis, Eigenkapital, Risikolimite, Pricing und Kapitalplanung. Eine hohe Sensitivität gegenüber Szenarien kann zu Schwankungen der Wertminderung führen. Aufsicht und Abschlussprüfung achten deshalb auf Datenqualität, nachvollziehbare Annahmen, Modellgovernance und konsistente Abgrenzung zwischen Zwölfmonatsverlust und Laufzeitverlust.

 

Beispiel/Synonyme oder verwandte Begriffe

  • Lifetime ECL: erwarteter Kreditverlust über die Restlaufzeit
  • Expected Credit Loss: Oberbegriff für erwartungsbasierte Wertminderung
  • PD: Ausfallwahrscheinlichkeit, oft als Laufzeitstruktur modelliert
  • LGD: Verlustquote nach Verwertung von Sicherheiten
  • EAD: erwartete Forderungshöhe zum Ausfallzeitpunkt
  • SICR: signifikante Erhöhung des Kreditrisikos

 

Weitere Informationen

Relevante Grundlagen ergeben sich vor allem aus IFRS 9 zu Wertminderungen finanzieller Vermögenswerte und aus IFRS 7 zu Angaben über Kreditrisiken. Methodisch werden historische Ausfalldaten, aktuelle Portfolioinformationen und zukunftsgerichtete Szenarien kombiniert. Die konkrete Laufzeit kann von vertraglicher Fälligkeit, erwarteter Kündigung, Verlängerungsoptionen und Kreditrisikomanagementpraxis abhängen.

 

 

Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de

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