Definition des Begriffs
LDP bezeichnet Low Default Portfolios, auf Deutsch Portfolios mit geringer Ausfallhäufigkeit. Der Begriff beschreibt Kreditportfolios, in denen historische Ausfälle selten auftreten oder über längere Zeiträume fehlen. Dadurch sind statistische Schätzungen von Ausfallwahrscheinlichkeit, Verlustquote bei Ausfall und Forderungshöhe bei Ausfall erschwert. LDP ist kein eigenes Rechtsinstrument, sondern eine aufsichtsrechtlich relevante Einordnung im Kreditrisikomanagement. Sie betrifft insbesondere interne Ratingverfahren, Modellvalidierung und Eigenmittelberechnung nach dem europäischen Eigenmittelrecht. Typische Portfolios sind Forderungen gegenüber Staaten, Zentralbanken, Banken, großen Unternehmen oder spezialisierten Finanzierungen mit wenigen beobachtbaren Ausfällen.
Vorkommen und Verwendung
LDP treten vor allem bei Instituten auf, die den auf internen Ratings basierenden Ansatz verwenden oder interne Kreditrisikomodelle für Steuerung und Kapitalplanung einsetzen. Die Einstufung wird im Modellentwicklungsprozess, in der Validierung, im Backtesting und in aufsichtlichen Prüfungen berücksichtigt.
Kernbereiche sind:
• Identifikation von Portfolios mit begrenzter Ausfalldatenhistorie;
• konservative Schätzung von Risikoparametern trotz geringer Beobachtungszahl;
• Nutzung externer Daten, Expertenurteile und Benchmarking;
• Prüfung von Modellstabilität, Trennschärfe und Kalibrierung;
• Dokumentation von Annahmen, Unsicherheiten und Sicherheitsaufschlägen.
Relevanz
LDP sind für Banken und Aufsicht bedeutsam, weil wenige Ausfälle die Aussagekraft rein empirischer Modelle begrenzen. Eine niedrige Ausfallzahl bedeutet nicht automatisch niedriges Risiko. Unerkannte Konzentrationen, makroökonomische Schocks oder strukturelle Veränderungen können zu erheblichen Verlusten führen. Institute müssen deshalb Methoden verwenden, die Datenarmut, Modellunsicherheit und konservative Parametrisierung angemessen berücksichtigen. Die Behandlung von LDP kann Eigenmittelanforderungen, Risikovorsorge, Kreditlimits, Stresstests und interne Kapitaladäquanzprozesse beeinflussen. Aufsichtliche Feststellungen betreffen häufig Datenqualität, Begründung von Expertenannahmen, Vergleichbarkeit externer Daten und Nachvollziehbarkeit der Kalibrierung.
Beispiel / Synonyme oder verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe sind:
• IRB-Ansatz, internes Ratingverfahren zur Berechnung von Kreditrisiko-Eigenmitteln;
• PD, Probability of Default, Ausfallwahrscheinlichkeit eines Schuldners;
• LGD, Loss Given Default, Verlustquote bei Ausfall;
• EAD, Exposure at Default, Forderungshöhe zum Ausfallzeitpunkt;
• Model Risk, Risiko fehlerhafter oder ungeeigneter Modelle.
Weitere Informationen
Wichtige Grundlagen sind die Kapitaladäquanzverordnung, technische Standards, Leitlinien zu Ausfalldefinition, Risikoparametern und Modellvalidierung sowie interne Modellrichtlinien. Beteiligte Funktionen sind Kreditrisikocontrolling, Modellentwicklung, Validierung, Interne Revision, Geschäftsbereiche und Aufsicht. Für LDP sind transparente Governance, regelmäßige Überprüfung, unabhängige Validierung und plausible Stresstests besonders wichtig.
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de
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