International Organization of Securities Commissions (IOSCO)
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Definition des Begriffs
Die International Organization of Securities Commissions (IOSCO, deutsch: Internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden) ist die globale Vereinigung der Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörden und wird als weltweiter Standard-Setter für die Finanzmarktregulierung anerkannt. Sie wurde 1983 gegründet, als 11 Wertpapieraufsichtsbehörden aus Nord- und Südamerika ihre interamerikanische Regionalorganisation in eine internationale Kooperationsplattform umwandelten. IOSCO hat ihren Sitz in Madrid und ist als gemeinnützige juristische Person nach Recht der kanadischen Provinz Quebec inkorporiert. Die Organisation vereint über 200 Mitglieder aus 130 Jurisdiktionen, die mehr als 95 Prozent der weltweiten Wertpapiermärkte regulieren.
Aufgaben
IOSCO verfolgt drei Kernziele gemäß ihrer Satzung:
- Anlegerschutz: Stärkung des Anlegerschutzes und Förderung des Vertrauens in die Integrität der Finanzmärkte durch verbesserten Informationsaustausch und Zusammenarbeit bei der Durchsetzung gegen Fehlverhalten sowie bei der Aufsicht über Märkte und Marktteilnehmer
- Faire und effiziente Märkte: Sicherstellung, dass Marktstrukturen keine Nutzer ungerechtfertigt bevorzugen und Anleger fairen und transparenten Zugang zu Markteinrichtungen und Preisinformationen erhalten
- Finanzstabilität durch Risikoreduktion: Förderung eines effektiven Risikomanagements, Sicherstellung angemessener Kapitalanforderungen sowie Erleichterung des schnellen und präzisen Informationsaustauschs über Jurisdiktionen hinweg zur Minimierung von Ausfallrisiken
Zur Umsetzung dieser Ziele entwickelt IOSCO international anerkannte Standards, fördert deren Implementierung, bietet technische Unterstützung und Schulungen an und arbeitet eng mit anderen internationalen Organisationen an der globalen Regulierungsagenda.
Zuständigkeiten
Die Zuständigkeiten von IOSCO umfassen:
- Entwicklung und Veröffentlichung der IOSCO Objectives and Principles of Securities Regulation, die von G20 und Financial Stability Board (FSB) als internationale Benchmarks anerkannt sind
- Bereitstellung der IOSCO-Principles Assessment Methodology zur Bewertung der Umsetzung regulatorischer Standards in Mitgliedsjurisdiktionen
- Verwaltung des Multilateral Memorandum of Understanding (MMoU), das seit 2002 den grenzüberschreitenden Informationsaustausch und die Zusammenarbeit bei der Durchsetzung ermöglicht
- Standardsetzung für Bereiche wie Marktinfrastrukturen, Derivatemärkte, Investmentfonds, ESG-Offenlegung und Cyber-Resilienz
- Koordination zwischen nationalen Aufsichtsbehörden zur Bekämpfung grenzüberschreitender Finanzkriminalität
Relevanz
IOSCO ist die weltweit führende Organisation für die Harmonisierung der Wertpapierregulierung. Ihre Standards bilden die Grundlage für Financial Sector Assessment Programs (FSAP) des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Die Organisation spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung internationaler Finanzmarktstandards, insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, dem FSB und anderen globalen Gremien. IOSCO-Empfehlungen, etwa zur Anwendung der International Financial Reporting Standards (IFRS) ab 2000, haben die globale Finanzarchitektur nachhaltig geprägt.
Besonderheiten
- Organisationsstruktur: Governance durch ein Board mit 35 Mitgliedern unter Vorsitz von Jean-Paul Servais, Presidents Committee mit 165 Mitgliedern, Growth and Emerging Markets Committee sowie vier Regionalkomitees
- Mitgliedschaftskategorien: Ordinary Members (nationale Aufsichtsbehörden), Associate Members (supranationale Regulierer) und Affiliate Members (Selbstregulierungsorganisationen, Börsen)
- MMoU als Kooperationsinstrument: Etabliert einen internationalen Benchmark für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Informationsaustausch zur Bekämpfung von Marktmissbrauch
- Arbeitsweise: Jährliches Arbeitsprogramm, Entwicklung durch Board-Level-Task-Forces und Policy-Committees
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de