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International Accounting Standards Board (IASB)

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Definition des Begriffs

Das International Accounting Standards Board (IASB) ist das unabhängige, standardsetzende Gremium der IFRS Foundation mit Sitz in London. Es wurde am 1. April 2001 als Nachfolger des International Accounting Standards Committee (IASC) gegründet, das bereits seit 1973 internationale Rechnungslegungsstandards entwickelt hatte. Das IASB ist eine privatrechtliche, gemeinnützige Organisation ohne hoheitliche Befugnisse. Seine zentrale Aufgabe besteht in der Entwicklung und Veröffentlichung der International Financial Reporting Standards (IFRS), die weltweit eine einheitliche, transparente und vergleichbare Finanzberichterstattung ermöglichen sollen.

 

Aufgaben

Das IASB entwickelt global akzeptierte Rechnungslegungsstandards für die Erstellung von Jahres- und Konzernabschlüssen börsennotierter und nicht börsennotierter Unternehmen. Zu den Kernaufgaben gehören:

  • Entwicklung und Veröffentlichung der IFRS sowie deren Fortschreibung und Anpassung an veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen
  • Herausgabe von IFRS for SMEs (Small and Medium-sized Entities), angepasste Standards für kleinere und mittlere Unternehmen
  • Genehmigung von Interpretationen der IFRS, die vom IFRS Interpretations Committee (IFRS IC) entwickelt werden
  • Durchführung umfassender Konsultationsverfahren mit Stakeholdern wie Standardsetzern, Aufsichtsbehörden, Investoren, Wirtschaftsprüfern und Anwendern
  • Veröffentlichung von Diskussionspapieren, Entwürfen (Exposure Drafts) und Post-Implementation-Reviews zur Qualitätssicherung
  • Förderung der internationalen Konvergenz von Rechnungslegungsstandards, insbesondere mit den US-GAAP

Das IASB handelt unabhängig von politischen Weisungen und wirtschaftlichen Partikularinteressen. Die institutionelle und finanzielle Unabhängigkeit ist durch die Governance-Struktur der IFRS Foundation rechtlich abgesichert.

 

Zuständigkeiten

Das IASB ist zuständig für die inhaltliche Ausgestaltung der IFRS und verfügt über einen mehrstufigen Due-Process-Mechanismus, der Transparenz und breite Beteiligung sicherstellt. Zu den Zuständigkeiten zählen:

  • Festlegung der technischen Agenda und Priorisierung von Standardsetzungsprojekten
  • Entscheidung über die Veröffentlichung von Entwürfen, finalen Standards und Änderungen mittels Mehrheitsbeschluss (mindestens neun von 14 Mitgliedern bei finalen Standards)
  • Auswertung von Stellungnahmen im Rahmen öffentlicher Konsultationen
  • Überwachung der Anwendung bestehender Standards durch Post-Implementation-Reviews
  • Zusammenarbeit mit nationalen Standardsetzern wie dem Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) und internationalen Organisationen wie IOSCO, Weltbank und G20

Das IASB hat derzeit 14 Mitglieder, die von den Trustees der IFRS Foundation ernannt werden. Die Mitglieder repräsentieren unterschiedliche geografische Regionen und verfügen über Fachkenntnisse aus Standardsetzung, Bilanzierung, Wirtschaftsprüfung, Finanzanalyse und Wissenschaft.

 

Relevanz

Die vom IASB entwickelten IFRS werden in über 140 Ländern angewendet oder als Referenzrahmen genutzt. In der Europäischen Union sind IFRS seit 2005 für börsennotierte Konzerne bei der Erstellung konsolidierter Abschlüsse verpflichtend. Die Anwendung erfolgt nach einem formalen Endorsement-Verfahren durch die Europäische Kommission, gestützt auf technische Empfehlungen der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) und die Zustimmung des Accounting Regulatory Committee (ARC).

Die Standards des IASB beeinflussen maßgeblich die Transparenz, Vergleichbarkeit und Qualität der Finanzberichterstattung weltweit. Sie dienen als Grundlage für Investitionsentscheidungen, Kreditvergaben, aufsichtsrechtliche Bewertungen und volkswirtschaftliche Analysen. Das IASB ist in internationale Abstimmungsprozesse eingebunden, unter anderem mit dem Financial Accounting Standards Board (FASB) in den USA sowie mit der G20, dem IWF und der Weltbank.

 

Besonderheiten

  • Unabhängigkeit: Das IASB ist formal unabhängig von Regierungen, Unternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und finanziert sich überwiegend aus freiwilligen Beiträgen von Staaten und Wirtschaftsverbänden.
  • Mehrstufiger Standardsetzungsprozess: Jeder Standard durchläuft Research, Diskussionspapier, Exposure Draft, Konsultation und finale Verabschiedung.
  • Globale Akzeptanz: IFRS gelten als weltweit führendes System der Rechnungslegung für kapitalmarktorientierte Unternehmen.
  • EU-Endorsement: Neue oder geänderte IFRS müssen vor Anwendung in der EU durch die Europäische Kommission förmlich übernommen werden.
  • Zusammenarbeit mit ISSB: Seit 2021 existiert innerhalb der IFRS Foundation das International Sustainability Standards Board (ISSB), das Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt.

 

Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de

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