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Hauptrefinanzierungsgeschäft (HRG)

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Definition des Begriffs

Das Hauptrefinanzierungsgeschäft (HRG; englisch: Main Refinancing Operation, MRO) ist das zentrale geldpolitische Instrument des Eurosystems zur Bereitstellung von Zentralbankliquidität an Kreditinstitute. Es handelt sich um ein regelmäßiges Offenmarktgeschäft mit standardmäßig einwöchiger Laufzeit, das von der Europäischen Zentralbank (EZB) wöchentlich durchgeführt wird. Über das HRG erhalten Banken gegen Hinterlegung notenbankfähiger Sicherheiten Liquidität zu einem von der EZB festgelegten Zinssatz. Dieser Zinssatz wird als Leitzins oder Hauptrefinanzierungssatz bezeichnet und steuert maßgeblich das Zinsniveau im Euroraum. Das HRG dient der Deckung des strukturellen Liquiditätsbedarfs des Finanzsystems und ist das wichtigste Instrument zur Umsetzung der geldpolitischen Strategie der EZB.

 

Vorkommen und Verwendung

Das HRG findet im gesamten Euroraum Anwendung und wird von allen nationalen Zentralbanken des Eurosystems koordiniert durchgeführt. Die Geschäfte werden in der Regel als Standardtender abgewickelt, bei dem die EZB die Initiative ergreift. Die Banken reichen Gebote ein, und die Zuteilung erfolgt entweder als Festsatzverfahren (alle Gebote zum festgelegten Zinssatz) oder als Zinstender (Zuteilung nach Höhe der gebotenen Zinssätze). Seit der Finanzkrise wird häufig das Mengentenderverfahren mit Vollzuteilung angewendet, bei dem alle Gebote zum Hauptrefinanzierungssatz vollständig bedient werden. Die bereitgestellte Liquidität muss gegen notenbankfähige Sicherheiten wie Staatsanleihen, gedeckte Schuldverschreibungen oder Unternehmensanleihen hinterlegt werden.

 

Relevanz

Das HRG ist für die geldpolitische Transmission von zentraler Bedeutung. Der Zinssatz des HRG bildet den Dreh- und Angelpunkt im geldpolitischen Steuerungsrahmen des Eurosystems und beeinflusst direkt die Refinanzierungskosten der Banken. Über den Interbankenmarkt wirkt er auf die gesamte Zinsstruktur und damit auf Kreditzinsen, Sparzinsen und letztlich auf Investitions- und Konsumentscheidungen in der Realwirtschaft. Änderungen des Hauptrefinanzierungssatzes signalisieren die geldpolitische Ausrichtung der EZB und haben weitreichende Auswirkungen auf die Finanzmärkte im Euroraum und darüber hinaus. Zusammen mit der Spitzenrefinanzierungsfazilität und der Einlagefazilität bildet das HRG den Zinskorridor, innerhalb dessen sich der Tagesgeldsatz EONIA (Euro Overnight Index Average) bewegt.

 

Beispiel/Synonyme oder verwandte Begriffe

  • Synonyme: Hauptrefinanzierungsinstrument, Main Refinancing Operation (MRO)
  • Verwandte Begriffe:
    • Offenmarktgeschäft, Geldpolitische Operationen des Eurosystems
    • Leitzins, Hauptrefinanzierungssatz
    • Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LRG), Refinanzierungsgeschäfte mit drei- oder sechsmonatiger Laufzeit
    • Spitzenrefinanzierungsfazilität, Übernacht-Kreditfazilität zum Zinssatz oberhalb des Hauptrefinanzierungssatzes
    • Einlagefazilität, Übernacht-Einlagenmöglichkeit zum Zinssatz unterhalb des Hauptrefinanzierungssatzes
    • Mengentender mit Vollzuteilung, Krisenmaßnahme seit 2008
    • Standardtender, Reguläres Ausschreibungsverfahren

 

Weitere Informationen

Rechtsgrundlagen sind in Artikel 127 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) sowie in der Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank (ESZB-Satzung) verankert.

Durchführung erfolgt wöchentlich durch das Eurosystem, koordiniert durch die EZB.

Wichtige Parameter sind Zinssatz, Laufzeit (standardmäßig eine Woche), Zuteilungsverfahren und notenbankfähige Sicherheiten.

 

Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de

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