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Financial Services Action Plan (FSAP)

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Definition des Begriffs

Der Financial Services Action Plan (FSAP, deutsch: Aktionsplan für Finanzdienstleistungen) ist ein strategisches Programm der Europäischen Kommission zur Vollendung des Binnenmarktes für Finanzdienstleistungen in der Europäischen Union. Der Aktionsplan wurde im Mai 1999 von der Kommission vorgelegt und im März 2000 vom Europäischen Rat in Lissabon gebilligt. Er umfasste ursprünglich 42 Maßnahmen, später ergänzt um weitere fünf Vorschläge, die bis 2005 umgesetzt werden sollten. Ziel war es, bestehende gesetzliche und regulatorische Barrieren zu beseitigen, um einen integrierten, sicheren und wettbewerbsfähigen Finanzmarkt in der gesamten EU zu schaffen. Der FSAP markierte einen entscheidenden Schritt zur Harmonisierung der Finanzmarktregulierung und zur Einführung des sogenannten europäischen Passes für Finanzdienstleistungen.

Vorkommen und Verwendung

Der FSAP wurde als Reaktion auf die Aufforderung des Europäischen Rates in Cardiff 1998 entwickelt und konzentrierte sich auf drei strategische Ziele:

  • Einheitlicher Großhandelsmarkt: Schaffung eines gemeinsamen rechtlichen Rahmens für integrierte Wertpapier- und Derivatemärkte, Beseitigung von Barrieren bei der grenzüberschreitenden Kapitalaufnahme sowie Harmonisierung der Rechnungslegungsstandards.
  • Offener und sicherer Privatkundenmarkt: Verbesserung der Verbraucherinformation und des Verbraucherschutzes, Abbau ungerechtfertigter Hindernisse im grenzüberschreitenden Vertrieb von Finanzdienstleistungen sowie Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen für den elektronischen Handel.
  • Modernisierte Aufsichtsregeln: Anpassung der Aufsichtsstandards an internationale Best Practices, insbesondere für Banken, Versicherungen und Wertpapierfirmen, sowie Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden.

Die Maßnahmen des FSAP umfassten wichtige Richtlinien wie die Marktmissbrauchsrichtlinie, die Prospektrichtlinie, die Wertpapierdienstleistungsrichtlinie (MiFID), die Transparenzrichtlinie, die OGAW-Richtlinien, die Richtlinie über Finanzkonglomerate sowie die Einführung internationaler Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS).

Relevanz

Der FSAP war ein Meilenstein in der europäischen Finanzmarktintegration. Bis Ende 2004 wurden nahezu alle 47 Maßnahmen auf EU-Ebene verabschiedet. Die Umsetzung trug wesentlich dazu bei, die Liquidität der Finanzmärkte zu erhöhen, den Wettbewerb zwischen Finanzintermediären zu intensivieren und die Produktvielfalt zu erweitern. Studien schätzten den langfristigen Beitrag zum EU-weiten BIP auf rund 1,1 Prozent. Der FSAP legte zudem den Grundstein für den Lamfalussy-Prozess, ein neues Gesetzgebungsverfahren zur effizienteren Regulierung der Wertpapiermärkte, das 2001 eingeführt und später auf den gesamten Finanzsektor ausgeweitet wurde. Nach Abschluss des FSAP verlagerte sich der Fokus auf die einheitliche Umsetzung und Durchsetzung der verabschiedeten Vorschriften in den Mitgliedstaaten.

Beispiel, Synonyme oder verwandte Begriffe

  • Synonym: Aktionsplan für Finanzdienstleistungen
  • Verwandte Begriffe:
    • Lamfalussy-Prozess: Mehrstufiges Gesetzgebungsverfahren zur Regulierung der Finanzmärkte
    • MiFID (Markets in Financial Instruments Directive): Wertpapierdienstleistungsrichtlinie als Kernelement des FSAP
    • IAS/IFRS: Internationale Rechnungslegungsstandards für börsennotierte Unternehmen
    • Europäischer Pass: Prinzip der gegenseitigen Anerkennung von Zulassungen für Finanzdienstleister
    • Binnenmarktstrategie: Übergeordnetes Konzept zur europäischen Integration

Weitere Informationen

Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de

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