Definition des Begriffs
EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate, deutsch: Euro-Interbanken-Angebotssatz) ist ein täglicher Referenzzinssatz für den europäischen Geldmarkt, der vom European Money Markets Institute (EMMI) berechnet und veröffentlicht wird. Er spiegelt die durchschnittlichen Zinssätze wider, zu denen sich Banken in der Eurozone untereinander unbesicherte Mittel im Großkundengeschäft leihen. EURIBOR wurde erstmals am 30. Dezember 1998 publiziert und trat am 4. Januar 1999, dem Tag der Euro-Einführung, in Kraft. Er ersetzte nationale Referenzzinssätze wie PIBOR (Frankreich), FIBOR (Deutschland) und HELIBOR (Finnland). EURIBOR unterliegt der EU-Benchmark-Verordnung (EU) 2016/1011 (BMR) und wird in fünf verschiedenen Laufzeiten quotiert: 1 Woche, 1 Monat, 3 Monate, 6 Monate und 12 Monate.
Vorkommen und Verwendung
EURIBOR wird täglich um circa 11:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit von EMMI veröffentlicht und dient als Grundlage für die Preisbildung zahlreicher Finanzprodukte im Euroraum. Zu den wichtigsten Anwendungsbereichen zählen:
Die Berechnung erfolgt seit November 2019 nach einer hybriden Methodik, die sowohl tatsächliche Transaktionsdaten als auch Expertenschätzungen kombiniert (sogenannte Waterfall-Methode). Zunächst werden verfügbare Transaktionsdaten herangezogen. Bei unzureichendem Transaktionsvolumen erfolgen fundierte Schätzungen durch die Panel-Banken. Das Panel umfasst derzeit 21 europäische Banken mit erstklassiger Bonität. Bei der Berechnung werden die höchsten und niedrigsten 15 Prozent aller eingereichten Werte eliminiert, die verbleibenden Werte werden gemittelt und auf drei Dezimalstellen gerundet.
Relevanz
EURIBOR ist einer der bedeutendsten Referenzzinssätze weltweit und zentral für die Preisbildung im europäischen Finanzsektor. Er beeinflusst direkt die Finanzierungskosten von Unternehmen, Banken und Privathaushalten. Die Höhe wird durch Angebot und Nachfrage am Interbankenmarkt bestimmt, wird jedoch auch von externen Faktoren wie der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), Wirtschaftswachstum und Inflationserwartungen beeinflusst.
Seit der globalen Finanzkrise 2008 und den anschließenden Manipulationsskandalen wurde EURIBOR umfassend reformiert, um Transparenz, Robustheit und Compliance mit der BMR sicherzustellen. Als Fallback-Mechanismus wurde Efterm entwickelt, ein auf dem €STR (Euro Short-Term Rate) basierender Alternativsatz für den Fall, dass EURIBOR nicht mehr zur Verfügung stehen sollte.
Beispiel/Synonyme oder verwandte Begriffe
Weitere Informationen
Rechtsgrundlage ist die EU-Verordnung (EU) 2016/1011 über Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten als Referenzwert oder zur Messung der Wertentwicklung eines Investmentfonds verwendet werden (Benchmark-Verordnung).
Administrator ist das European Money Markets Institute (EMMI) mit Sitz in Brüssel.
Methodologie ist die hybride Waterfall-Methodik, seit November 2019 vollständig implementiert.
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de
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