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European Systemic Risk Board (ESRB)

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Definition des Begriffs

Der European Systemic Risk Board (ESRB, deutsch: Europäischer Ausschuss für Systemrisiken) ist eine europäische Behörde, die am 16. Dezember 2010 als Reaktion auf die Finanzkrise gegründet wurde. Der ESRB ist für die makroprudenzielle Überwachung des Finanzsystems der Europäischen Union zuständig und soll systemische Risiken für die Finanzstabilität verhindern oder abschwächen. Die rechtliche Grundlage bildet die Verordnung (EU) Nr. 1092/2010 des Europäischen Parlaments und des Rates. Der ESRB ist Teil des Europäischen Finanzaufsichtssystems (ESFS) und besitzt keine eigene Rechtspersönlichkeit. Er wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) unterstützt und hat seinen Sitz in Frankfurt am Main.

Aufgaben

Die Hauptaufgabe des ESRB besteht darin, systemische Risiken im EU-Finanzsystem zu identifizieren, zu bewerten und zu überwachen. Zu den Kernaufgaben gehören:

  • Überwachung und Analyse systemischer Risiken im gesamten Finanzsektor der EU, einschließlich Banken, Versicherungen, Kapitalmärkten und Finanzmarktinfrastrukturen
  • Ausgabe von Warnungen bei identifizierten systemischen Risiken an die EU, einzelne Mitgliedstaaten oder nationale Aufsichtsbehörden
  • Formulierung von Empfehlungen zu erforderlichen Maßnahmen zur Risikominderung, einschließlich makroprudenzieller Instrumente
  • Koordinierung makroprudenzieller Maßnahmen zwischen den Mitgliedstaaten zur Vermeidung von regulatorischer Arbitrage
  • Zusammenarbeit mit den Europäischen Aufsichtsbehörden (EBA, ESMA, EIOPA) und nationalen Behörden
  • Durchführung von Stresstests und Risikoanalysen zur Bewertung der Systemstabilität
  • Erstellung regelmäßiger Berichte zur Risikolage im europäischen Finanzsystem

Zuständigkeiten

Der ESRB verfügt über keine direkten Durchsetzungsbefugnisse, sondern arbeitet nach dem Prinzip "act or explain". Seine Zuständigkeiten umfassen:

  • Makroprudenzielle Überwachung des gesamten EU-Finanzsystems auf Systemrisiken
  • Beratung der EU-Institutionen, insbesondere des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission
  • Ausarbeitung makroprudenzieller Standards und Leitlinien für nationale Behörden
  • Koordinierung der Umsetzung makroprudenzieller Instrumente wie Kapitalpuffer, Beleihungsgrenzen oder Schuldendienstgrenzen
  • Überwachung der Wirksamkeit ergriffener Maßnahmen und Follow-up bei Empfehlungen
  • Informationsaustausch mit internationalen Organisationen wie dem Financial Stability Board (FSB), dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)

Relevanz

Der ESRB spielt eine zentrale Rolle im europäischen System der Finanzaufsicht. Seine makroprudenzielle Perspektive ergänzt die mikroprudenzielle Beaufsichtigung einzelner Institute durch die nationalen und europäischen Aufsichtsbehörden. Durch die frühzeitige Identifikation systemweiter Risiken trägt der ESRB zur Prävention von Finanzkrisen bei. Seine Warnungen und Empfehlungen beeinflussen die nationale und europäische Finanzmarktregulierung erheblich. Der ESRB ist auch international vernetzt und trägt zur Entwicklung globaler makroprudenzieller Standards bei. Seine Analysen und Risikobewertungen sind für Finanzinstitute, Regulierungsbehörden und Marktteilnehmer von hoher Bedeutung.

Besonderheiten

  • Keine eigene Rechtspersönlichkeit: Der ESRB ist auf die administrative und logistische Unterstützung der EZB angewiesen
  • "Soft Law"-Ansatz: Warnungen und Empfehlungen sind rechtlich nicht bindend, Adressaten müssen jedoch begründen, wenn sie nicht folgen ("comply or explain")
  • Breite Zusammensetzung: Der ESRB-Rat umfasst Vertreter der EZB, der nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedstaaten, der Europäischen Aufsichtsbehörden, der Europäischen Kommission sowie nationale Aufsichtsbehörden
  • Vorsitz durch EZB-Präsidentin: Aktuell leitet Christine Lagarde als EZB-Präsidentin auch den ESRB
  • Advisory Scientific Committee: Ein wissenschaftlicher Beirat unterstützt den ESRB mit unabhängiger Expertise
  • Transparenzverpflichtung: Veröffentlichung von Warnungen, Empfehlungen und regelmäßigen Risikoberichten

Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de

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