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European System of Financial Supervision (ESFS)

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Definition des Begriffs

Das European System of Financial Supervision (ESFS) ist das institutionelle Rahmenwerk für die Finanzaufsicht in der Europäischen Union. Es wurde 2010 eingerichtet und nahm am 1. Januar 2011 seine Tätigkeit auf. Das ESFS ist eine Reaktion auf die globale Finanzkrise 2007 bis 2008 und basiert auf den Empfehlungen der de Larosière-Gruppe aus dem Februar 2009. Ziel ist die Gewährleistung einer einheitlichen und kohärenten mikro- und makroprudenziellen Finanzaufsicht in allen EU-Mitgliedstaaten. Das System ist in mehreren EU-Verordnungen verankert, darunter die Verordnungen (EU) Nr. 1092/2010 bis 1095/2010 sowie Nr. 1096/2010.

Aufbau und Struktur

Das ESFS setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Drei Europäische Aufsichtsbehörden (ESAs): European Banking Authority (EBA) in Paris, European Securities and Markets Authority (ESMA) in Paris und European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) in Frankfurt am Main
  • European Systemic Risk Board (ESRB): zuständig für makroprudenzielle Aufsicht, angesiedelt bei der EZB in Frankfurt
  • Gemeinsamer Ausschuss der ESAs: Koordinierung übergreifender und sektorübergreifender Fragen
  • Nationale Aufsichtsbehörden: zuständige Behörden der EU-Mitgliedstaaten

Die ESAs sind unabhängige EU-Agenturen mit eigener Rechtspersönlichkeit, dem Europäischen Parlament und dem Rat rechenschaftspflichtig.

Aufgaben und Zuständigkeiten

Das vorrangige Ziel des ESFS besteht darin, die Stabilität und Wirksamkeit des europäischen Finanzsystems zu stärken sowie das Vertrauen zu fördern und Verbraucher zu schützen. Zu den wesentlichen Aufgaben gehören:

  • Entwicklung eines einheitlichen Regelwerks (Single Rulebook) durch technische Standards, Leitlinien und Empfehlungen
  • Förderung der aufsichtlichen Konvergenz zur einheitlichen Anwendung von EU-Vorschriften in allen Mitgliedstaaten
  • Mikroprudenzielle Aufsicht durch die ESAs über Banken, Kapitalmärkte sowie Versicherungen und Pensionseinrichtungen
  • Makroprudenzielle Überwachung systemischer Risiken durch das ESRB
  • Durchführung und Koordinierung EU-weiter Stresstests
  • Schlichtung bei Meinungsverschiedenheiten zwischen nationalen Aufsichtsbehörden
  • Direkte Aufsicht durch ESMA über Ratingagenturen, Transaktionsregister und zentrale Gegenparteien aus Drittländern

Relevanz

Das ESFS spielt eine zentrale Rolle bei der Harmonisierung der Finanzaufsicht in der EU. Vor seiner Einführung mangelte es an einheitlichen Regeln und koordinierter Zusammenarbeit zwischen nationalen Aufsichtsbehörden, was die Finanzkrise verschärfte. Das ESFS stellt sicher, dass Finanzinstitute EU-weit nach denselben Standards beaufsichtigt werden, systemische Risiken frühzeitig erkannt und grenzüberschreitende Finanzdienstleistungen verlässlich reguliert werden. Es arbeitet eng mit internationalen Gremien wie der International Organization of Securities Commissions (IOSCO), dem Financial Stability Board (FSB) und der International Association of Insurance Supervisors (IAIS) zusammen.

Besonderheiten

  • Das ESFS kombiniert mikro- und makroprudenzielle Aufsicht in einem integrierten System.
  • Die ESAs verfügen über Befugnisse zur Schlichtung, bei Verstößen gegen EU-Recht durch nationale Behörden und in Notsituationen.
  • Das System wurde 2019 überarbeitet, um die Befugnisse, Governance und Finanzierung der ESAs zu stärken, insbesondere in den Bereichen Fintech, nachhaltige Finanzen und Anti-Geldwäsche.
  • Das ESFS ist eng mit der Bankenunion verknüpft, insbesondere mit dem Single Supervisory Mechanism (SSM) unter Führung der EZB.
  • Das Europäische Parlament spielt eine wichtige Rolle bei der Kontrolle und Bestätigung von Führungspersonen der ESAs sowie bei der Prüfung technischer Standards.

Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de

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