Definition des Begriffs
ES steht für Expected Shortfall, auf Deutsch erwarteter Fehlbetrag oder erwarteter Verlust im Extrembereich. Der Begriff bezeichnet ein quantitatives Verfahren zur Messung von Marktrisiken. Expected Shortfall gibt den durchschnittlichen Verlust an, der eintritt, wenn ein vorgegebenes Konfidenzniveau überschritten wird. Anders als Value at Risk betrachtet ES nicht nur eine Verlustschwelle, sondern die durchschnittliche Schwere der Verluste jenseits dieser Schwelle. Im Bankenaufsichtsrecht ist ES besonders im Fundamental Review of the Trading Book relevant. Dort ersetzt der Expected Shortfall in internen Marktrisikomodellen den Value at Risk als zentrale Risikomaßgröße. Rechtlich ist die Anwendung im europäischen Rahmen über die Capital Requirements Regulation und die Umsetzung der finalen Basel-III-Standards verankert.
Vorkommen und Verwendung
Expected Shortfall wird von Banken, Wertpapierfirmen, Asset Managern, Clearingstellen und Risikocontrolling-Funktionen verwendet. Das Verfahren kommt in internen Modellen, Stresstests, Limitssystemen, Kapitalplanung und Marktrisikoberichten vor. Im Handelsbuch dient ES dazu, Verlustrisiken aus Zins, Aktien, Währungs-, Kreditspread, Rohwaren und Optionspositionen zu quantifizieren.
Typische Anwendungsfelder sind:
Relevanz
ES ist relevant, weil Finanzkrisen häufig durch seltene, aber hohe Verluste geprägt sind. Eine reine Verlustschwelle kann die Schwere solcher Ereignisse unterschätzen. Expected Shortfall liefert zusätzliche Informationen über Verluste im Randbereich der Verteilung und unterstützt dadurch eine vorsichtigere Risikosteuerung. Für Institute beeinflusst ES Kapitalanforderungen, Handelslimits, Modellgovernance und Datenanforderungen. Für Aufsichtsbehörden ist die Kennzahl wichtig, um Marktrisiken vergleichbarer zu messen und Modellrisiken zu begrenzen. Die Aussagekraft hängt jedoch stark von Datenhistorie, Liquiditätshorizonten, Risikofaktoren und Verteilungsannahmen ab.
Beispiel / Synonyme oder verwandte Begriffe
Weitere Informationen
Wichtige Grundlagen sind die Basel-Standards zum Marktrisiko, der Fundamental Review of the Trading Book und die Capital Requirements Regulation zu Handelsbuch, internen Modellen und Standardansätzen. In der Praxis wird Expected Shortfall häufig für ein hohes Konfidenzniveau berechnet. Regulatorische Anwendungen kombinieren ES mit Liquiditätshorizonten, Risikofaktor-Zuordnung, Stresskalibrierung und Anforderungen an Modellgenehmigung, Datenqualität und unabhängige Validierung.
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de
Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an. Wir senden Ihnen eine E-Mail zum Zurücksetzen Ihres Passwortes.