Definition des Begriffs
EDSP, Exchange Delivery Settlement Price, bezeichnet den von einer Terminbörse festgelegten Schlussabrechnungspreis für ein auslaufendes Derivat. Die deutsche Umschreibung lautet Börsenlieferungs- und Abwicklungsabrechnungspreis. Der EDSP ist kein eigener Rechtsakt, sondern ein markttechnisches Verfahren der Börseninfrastruktur. Er bestimmt, zu welchem Referenzwert offene Positionen in Futures oder Optionen bei Fälligkeit bar abgerechnet oder in die Lieferung überführt werden. Die rechtliche Verankerung ergibt sich regelmäßig aus Börsenregeln, Kontraktspezifikationen, Clearingbedingungen und Vorgaben für transparente Marktorganisation.
Vorkommen und Verwendung
Das Verfahren kommt bei standardisierten börsengehandelten Derivaten vor, vor allem bei Aktienindex-, Zins-, Rohstoff-, Energie- und Währungsprodukten. Die Börse oder die angeschlossene Clearingstelle legt Methode, Zeitpunkt, Datenquellen und Berechnungslogik in den Produktbedingungen fest. Typische Kernbereiche sind 1) Ermittlung des maßgeblichen Referenzmarkts, etwa Kassamarkt, Auktion, Indexstand oder gewichteter Durchschnittspreis, 2) Festlegung des Beobachtungszeitraums am Verfalltag, 3) Behandlung außergewöhnlicher Marktstörungen, 4) Veröffentlichung des finalen Abrechnungspreises für Clearing, Margin und Positionsschließung.
Relevanz
Der EDSP ist für Händler, Clearingmitglieder, zentrale Gegenparteien, Emittenten und institutionelle Anleger wesentlich, weil er den endgültigen wirtschaftlichen Wert einer auslaufenden Position bestimmt. Abweichungen zwischen erwartetem Marktwert und EDSP können Gewinne, Verluste, Nachschusspflichten oder Lieferverpflichtungen auslösen. Das Verfahren begrenzt Rechtsunsicherheit am Verfalltag und unterstützt die Gleichbehandlung aller Marktteilnehmer. Zugleich besteht ein erhöhtes Überwachungsinteresse, da Preisbildung kurz vor dem Verfall anfällig für Marktmanipulation oder ungewöhnliche Liquiditätsverläufe sein kann.
Beispiel/Synonyme oder verwandte Begriffe
Beispielhaft kann der EDSP eines Indexfutures aus dem offiziellen Schlussstand des zugrunde liegenden Aktienindex abgeleitet werden, bei anderen Kontrakten aus einer Schlussauktion oder einem Durchschnitt mehrerer Transaktionen. Verwandte Begriffe sind Schlussabrechnungspreis als allgemeiner Oberbegriff, Settlement Price als englische Standardbezeichnung, Final Settlement Price als Preis zur endgültigen Kontraktabrechnung, Cash Settlement als Barausgleich ohne physische Lieferung, Expiry oder Verfall als Zeitpunkt der Beendigung des Kontrakts.
Weitere Informationen
Weitere Informationen ergeben sich aus den Kontraktspezifikationen der jeweiligen Terminbörse, den Clearingregeln der zentralen Gegenpartei und den Marktintegritätsvorgaben für Handelsplätze. In Europa stehen solche Verfahren im Umfeld von Finanzmarktinfrastruktur, Derivatehandel, Marktmissbrauchsaufsicht und Benchmark-Governance, sofern Referenzwerte genutzt werden. Für Institute ist eine interne Kontrolle der EDSP-Abhängigkeiten wichtig, etwa für Risikomanagement, Bewertung, Sicherheitensteuerung, Handelslimits und die Abstimmung zwischen Front Office, Back Office und Compliance.
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de
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