Definition des Begriffs
Delivery versus Payment (DvP, deutsch: Lieferung gegen Zahlung) ist ein Abwicklungsverfahren für Wertpapiertransaktionen, bei dem die Übertragung von Wertpapieren und die Zahlung so miteinander verknüpft werden, dass die Lieferung nur erfolgt, wenn auch die entsprechende Zahlung geleistet wird, und umgekehrt. DvP reduziert insbesondere das Hauptrisiko (Principal Risk), dass eine Partei Wertpapiere oder Geld leistet, ohne die Gegenleistung zu erhalten. Es beseitigt jedoch nicht alle Abwicklungsrisiken, etwa Liquiditätsrisiken, operationelle Risiken oder technische Störungen. Aus Sicht der liefernden Partei wird operativ auch von Deliver Against Payment gesprochen, aus Sicht der empfangenden Partei von Receive Against Payment. DvP ist seit der CPSS-Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich aus dem Jahr 1992 ein international prägender Standard für sichere Wertpapierabwicklung.
Hintergrund und Entwicklung
Das Konzept gewann nach dem weltweiten Börsencrash im Oktober 1987 an Bedeutung, als Zentralbanken und Aufsichtsbehörden erkannten, dass Störungen in der Wertpapierabwicklung systemische Risiken für Zahlungssysteme und Finanzmärkte auslösen können. Die Gruppe der Zehn (G10) arbeitete daraufhin an der Stärkung von Abwicklungsverfahren. Die CPSS-Studie definierte drei DvP-Modelle: Modell 1 wickelt Wertpapiere und Zahlungen transaktionsweise brutto ab, Modell 2 wickelt Wertpapiere brutto, Zahlungen jedoch netto ab, und Modell 3 wickelt sowohl Wertpapiere als auch Zahlungen netto am Ende eines Abwicklungszyklus ab.
Anwendungsbereich und regulatorische Verankerung
DvP ist heute in vielen wesentlichen Wertpapierabwicklungssystemen implementiert, darunter TARGET2-Securities (T2S) in Europa, Fedwire Securities Service in den USA und vergleichbare Systeme weltweit. Regulatorisch ist DvP insbesondere im Zusammenhang mit zentralen Wertpapierverwahrern, Finanzmarktinfrastrukturen und sicheren Abwicklungsmechanismen relevant. Die CSDR definiert DvP als Mechanismus, der Wertpapiertransfer und Geldtransfer so verknüpft, dass die Lieferung nur erfolgt, wenn die entsprechende Zahlung erfolgt, und umgekehrt. Die Principles for Financial Market Infrastructures (PFMI) der CPMI-IOSCO verlangen bei Austauschgeschäften Mechanismen zur Vermeidung von Principal Risk. Die Settlement Finality Directive (Richtlinie 98/26/EG) ist ergänzend relevant, da sie die Endgültigkeit von Übertragungsaufträgen in Systemen absichert. Nach der CRR sind insbesondere Free Deliveries risikorelevant und können besondere Eigenmittelanforderungen auslösen.
Besonderheiten
DvP wird auch als Delivery Against Payment oder Delivery Against Cash bezeichnet. In der ISO-Nachrichtenstandard-Terminologie (ISO 15022) steht MT543 für Deliver Against Payment und MT541 für Receive Against Payment. Das Gegenteil von DvP ist Free of Payment (FOP), bei dem Wertpapiere ohne zeitgleiche Zahlung übertragen werden, was ein höheres Risiko birgt.
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de
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