Definition des Begriffs
Deferred Tax Liabilities (DTLs, deutsch: latente Steuerschulden oder passive latente Steuern) sind bilanzielle Verbindlichkeiten, die zukünftige Steuerzahlungen repräsentieren. Sie entstehen aus zeitlichen Differenzen zwischen der handelsrechtlichen und der steuerlichen Gewinnermittlung, wenn der handelsrechtliche Gewinn höher ausfällt als der steuerliche Gewinn. DTLs bilden die Verpflichtung ab, in künftigen Perioden höhere Ertragsteuern zu zahlen, weil steuerliche Vorteile bereits in der aktuellen Periode in Anspruch genommen wurden. Im Kontext der Bankenregulierung nach Basel III und der Capital Requirements Regulation (CRR) spielen DTLs eine wichtige Rolle, da sie unter bestimmten Voraussetzungen mit Deferred Tax Assets (DTAs) verrechnet werden können und somit die Höhe der vom harten Kernkapital (Common Equity Tier 1, CET1) abzuziehenden DTAs reduzieren.
Entstehung von DTLs und häufigste Ursachen
DTLs entstehen typischerweise, wenn Aufwendungen handelsrechtlich früher erfasst werden als steuerlich oder wenn Erträge steuerlich früher angesetzt werden als in der Handelsbilanz. Die häufigste Ursache ist die unterschiedliche Behandlung von Abschreibungen. Viele Steuergesetze erlauben beschleunigte Abschreibungsmethoden (Accelerated Depreciation) für Sachanlagen, bei denen in den ersten Jahren höhere Abschreibungen geltend gemacht werden können. Nach IFRS oder GAAP verwenden Unternehmen jedoch häufig die lineare Abschreibung (Straight-Line Depreciation), die gleichmäßige Aufwendungen über die Nutzungsdauer verteilt. Diese Differenz führt dazu, dass der steuerliche Gewinn niedriger ausfällt als der handelsrechtliche Gewinn, wodurch eine DTL entsteht. Weitere Ursachen sind unterschiedliche Ansätze bei der Umsatzrealisierung oder die Bewertung von Vorräten nach verschiedenen Methoden.
Regulatorische Behandlung und Nettierung mit DTAs
Im Rahmen der Basel-III-Regulierung gemäß CAP30.9 und der CRR gemäß Artikel 38 können DTLs unter bestimmten Bedingungen mit DTAs verrechnet werden. Diese Nettierung ist nur zulässig, wenn sich beide auf dieselbe Steuerbehörde beziehen und eine Saldierung nach den Steuervorschriften erlaubt ist. DTLs, die mit Goodwill, immateriellen Vermögenswerten oder Pensionsfondsvermögen verbunden sind, werden gesondert behandelt. Die Verrechnung von DTLs mit DTAs reduziert den Nettobetrag der vom CET1 abzuziehenden DTAs und verbessert die regulatorische Kapitalausstattung. Gemäß Implementing Regulation (EU) 2021/451 müssen Institute im Template C.04.00 die Gesamt-DTAs und Gesamt-DTLs ausweisen.
Bedeutung für die Finanzanalyse
DTLs haben erheblichen Einfluss auf Bilanzstruktur und Cashflow-Analyse. Ein Anstieg der DTLs deutet darauf hin, dass das Unternehmen steuerliche Vorteile vorgezogen hat und künftig höhere Steuerzahlungen leisten wird. DTLs erscheinen als langfristige Verbindlichkeiten in der Bilanz und erhöhen die Verschuldungskennzahlen. Für Banken ist die korrekte Erfassung von DTLs entscheidend für die Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen.
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