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Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

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Definition des Begriffs

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist das größte unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitut in Deutschland mit Sitz in Berlin. Es wurde am 16. Juli 1925 von Ernst Wagemann als Institut für Konjunkturforschung (IfK) gegründet und erhielt 1941 seinen heutigen Namen. Das DIW Berlin ist ein rechtlich selbstständiger eingetragener Verein und dient ausschließlich und unmittelbar gemeinnützigen wissenschaftlichen Zwecken. Seit 1999 ist es Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Aktueller Präsident ist seit 2013 Marcel Fratzscher. Das Institut verbindet exzellente Forschung mit der Bereitstellung von Infrastruktur, Nachwuchsförderung und fundierter Politikberatung. Es ist institutionell und funktional unabhängig und erforscht wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge auf Grundlage internationaler Standards.

Aufgaben

Die Kernaufgaben des DIW Berlin umfassen mehrere zentrale Bereiche der Wirtschaftsforschung und Politikberatung:

  • Durchführung theoretischer und angewandter Forschung in der Wirtschaftswissenschaft, Konjunkturforschung und empirischen Sozialforschung an der Schnittstelle von Grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung.
  • Laufende Diagnose und Prognose der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland, Europa und weltweit, etwa durch das DIW-Konjunkturbarometer und quartalsweise Grundlinien der wirtschaftlichen Entwicklung.
  • Bereitstellung hochwertiger Forschungsdateninfrastruktur, insbesondere durch das Sozio-oekonomische Panel (SOEP), eine repräsentative Langzeitstudie von rund 11.000 Privathaushalten in Deutschland.
  • Politikberatung für Bundesregierung, Landesregierungen, EU-Institutionen und internationale Organisationen in allen wirtschafts- und finanzpolitischen Fragestellungen.
  • Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch das DIW Graduate Center mit strukturiertem Promotionsprogramm in enger Kooperation mit Berliner Universitäten.
  • Veröffentlichung von Forschungsergebnissen in Fachzeitschriften, Wochenberichten, Diskussionspapieren und im DIW Economic Bulletin zur Förderung des wissenschaftlichen Diskurses.
  • Erhebung und Bereitstellung umfangreicher Datensätze, etwa zu Energiebilanzen, Bauvolumen, Verkehrsstatistik und volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.

Das Institut bekennt sich zum Prinzip des Open Access und stellt qualitätsgeprüfte Forschungsergebnisse öffentlich finanzierter Forschung unbeschränkt und kostenfrei zur Verfügung.

Zuständigkeiten

Das DIW Berlin ist in mehreren Forschungsbereichen mit zugehörigen Abteilungen tätig:

  • Makroökonomie und Finanzmärkte: Analyse makroökonomischer Entwicklungen, Konjunkturpolitik, Weltwirtschaft und Finanzmarktstabilität.
  • Nachhaltigkeit: Forschung zu Energie, Verkehr, Umwelt und Klimapolitik mit Fokus auf Strategien für nachhaltige Entwicklung.
  • Industrieökonomie: Untersuchung von Unternehmen und Märkten, Wettbewerb, Verbraucherfragen sowie Entrepreneurship.
  • Öffentliche Finanzen und Lebenslagen: Analyse von Steuerpolitik, Sozialpolitik, Bildung, Familie und sozioökonomischen Ungleichheiten, einschließlich Gender Economics.

Das DIW Berlin erstellt seit 2013 wieder Beiträge zur Gemeinschaftsdiagnose der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Es ist in internationalen Forschungsnetzwerken aktiv und zählt laut IDEAS/RePEc zu den Top 10 Prozent der ökonomischen Forschungseinrichtungen weltweit.

Relevanz

Das DIW Berlin gilt als eine der wichtigsten Stimmen in der deutschen und europäischen Wirtschaftspolitik. Seine Konjunkturprognosen, Studien und Stellungnahmen haben erheblichen Einfluss auf politische Entscheidungen in Deutschland und Europa. Das Institut vertritt vorwiegend neukeynesianische Positionen und liefert regelmäßig Impulse zu aktuellen wirtschaftspolitischen Debatten, etwa zu Fiskal- und Geldpolitik, Energiewende, Digitalisierung, soziale Ungleichheit oder Transformationsprozessen. Durch seine empirische Ausrichtung und die Bereitstellung von Forschungsdaten, insbesondere über das SOEP, ist es eine unverzichtbare Quelle für die wissenschaftliche Community im In- und Ausland. Das DIW Berlin feiert 2025 sein 100-jähriges Bestehen und hat anlässlich des Jubiläums eine umfassende Chronik seiner Geschichte veröffentlicht.

Besonderheiten

  • Institutionelle Unabhängigkeit: Das DIW Berlin ist als gemeinnütziger Verein organisiert und in seinen Forschungsaktivitäten und Beratungsleistungen wissenschaftlich unabhängig.
  • Finanzierung durch Bund und Länder: Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft erhält das Institut etwa zwei Drittel seines Haushalts als Grundfinanzierung vom Bund (50 Prozent, vertreten durch das BMWK) und den Ländern (50 Prozent, vertreten durch Berlin). Weitere Mittel stammen aus Drittmitteln, Auftragsforschung und Projekten.
  • SOEP als Forschungsinfrastruktur: Seit 1984 betreibt das DIW Berlin das Sozio-oekonomische Panel, eine der weltweit umfassendsten Längsschnittstudien zu Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Lebenszufriedenheit.
  • Open Access und Open Science: Das DIW Berlin verpflichtet sich zur Transparenz, Nachvollziehbarkeit und freien Verfügbarkeit von Forschungsdaten und Publikationen.
  • Historische Bedeutung: Das Institut prägte bedeutende ökonomische Konzepte wie den Schweinezyklus und spielte eine zentrale Rolle bei der Erforschung von Konjunkturzyklen und wirtschaftlichen Transformationen, etwa der Wiedervereinigung.
  • Regelmäßige Evaluierung: Das DIW Berlin wird in regelmäßigen Abständen durch unabhängige Gutachter im Auftrag des Senats der Leibniz-Gemeinschaft evaluiert.

Weiterführende Informationen, aktuelle regulatorische Entwicklungen und vertiefende Einträge zum DIW Berlin finden sich auf Regupedia – einem spezialisierten Online-Glossar für Finanzmarktregulierung.

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