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Capital Markets Union (CMU)

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Definition des Begriffs

Die Capital Markets Union (CMU), auf Deutsch Kapitalmarktunion, ist eine im Jahr 2014 von der Europäischen Kommission unter Präsident Jean-Claude Juncker ins Leben gerufene wirtschaftspolitische Initiative der Europäischen Union. Ziel ist die Schaffung eines integrierten, grenzüberschreitenden Binnenmarktes für Kapital in allen EU‑Mitgliedstaaten. Die CMU soll die Abhängigkeit europäischer Unternehmen von Bankkrediten verringern und den Zugang zu alternativen Finanzierungsquellen über Kapitalmärkte erleichtern. Der im September 2015 verabschiedete Aktionsplan umfasst legislative und nicht-legislative Maßnahmen zur Harmonisierung nationaler Regelungen, zum Abbau regulatorischer Barrieren und zur Förderung grenzüberschreitender Investitionen. Im Jahr 2020 wurde unter Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein erweiterter Aktionsplan mit 16 konkreten Maßnahmen vorgelegt, der auf Nachhaltigkeit, Digitalisierung und wirtschaftliche Resilienz ausgerichtet ist.

 

Einordnung der Relevanz

Die CMU ergänzt die Bankenunion und ist Teil der Vollendung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Sie steht im Zusammenhang mit dem Digital Finance Package und dem European Green Deal. Die Initiative zielt darauf ab, die strukturellen Schwächen des europäischen Finanzsystems zu beheben, das im Vergleich zu den USA stark bankenzentriert ist. Nationale Kapitalmärkte sind fragmentiert, grenzüberschreitende Investitionen werden durch unterschiedliche Rechtsrahmen, Insolvenzregelungen und Steuersysteme erschwert. Die Finanzkrise 2008 und die COVID-19-Pandemie haben die Notwendigkeit einer Diversifizierung der Finanzierungsquellen verdeutlicht. Der Brexit führte zum Verlust des bedeutenden Finanzplatzes London, was die Bemühungen um eine gestärkte kontinentaleuropäische Kapitalmarktinfrastruktur beschleunigte.

 

Betroffene

Von der CMU betroffen sind:

  • Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Start-ups und Wachstumsunternehmen, die erleichterten Zugang zu Kapitalmarktfinanzierung erhalten sollen
  • Investoren, institutionelle Anleger, Pensionsfonds und Versicherungen mit erweiterten grenzüberschreitenden Investitionsmöglichkeiten
  • Privatanleger und Sparer, die von transparenteren, kostengünstigeren Anlageprodukten profitieren sollen
  • Kreditinstitute, Wertpapierfirmen, Börsen und Finanzintermediäre
  • Fintech-Unternehmen und innovative Finanzdienstleister
  • IKT-Drittdienstleister im Finanzsektor

 

Ziele und Handlungsfelder

Der CMU-Aktionsplan von 2020 verfolgt drei Hauptziele:

1. Erleichterung der Unternehmensfinanzierung

  • Vereinfachung der Zulassungsregeln für öffentliche Märkte
  • Unterstützung von Venture Capital und Private Equity
  • Förderung von Verbriefungsmärkten (Securitisation)
  • Entwicklung europäischer langfristiger Investmentfonds (ELTIF)

2. Sicherheit für Privatanleger

  • Verbesserung von Anlageberatung und Produkttransparenz
  • Entwicklung eines europäischen Rahmens für Finanzbildung
  • Förderung von Altersvorsorgeprodukten (Pan-European Personal Pension Product, PEPP)
  • Harmonisierung der Quellensteuerentlastung

3. Integration nationaler Kapitalmärkte

  • Schaffung eines europäischen Single Access Point (ESAP) für Unternehmensinformationen
  • Einführung von Consolidated Tape Providern für Marktdaten
  • Harmonisierung von Insolvenz- und Umstrukturierungsrahmen
  • Stärkung der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA)

 

Weitere Informationen

Die CMU ist eine langfristige Initiative ohne festes Enddatum. Ihre Umsetzung erfolgt schrittweise durch Verordnungen, Richtlinien und Empfehlungen. Wichtige beteiligte Institutionen sind die Europäische Kommission, der Rat der Europäischen Union, das Europäische Parlament sowie die Europäischen Aufsichtsbehörden (EBA, ESMA, EIOPA) und die Europäische Zentralbank.

Ein Mid-Term-Review von 2017 identifizierte neun zusätzliche Prioritäten, darunter Maßnahmen zu Non-Performing Loans, Fintech-Regulierung und grenzüberschreitendem Fondsvertrieb.

 

 

Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de

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