Definition des Begriffs
Available Stable Funding (ASF, deutsch: Verfügbare stabile Refinanzierung) ist eine Kennzahl zur Messung der stabilen Finanzierungsquellen eines Kreditinstituts über einen Zeithorizont von einem Jahr. Sie bildet die Zählerseite der Net Stable Funding Ratio (NSFR), einer verbindlichen Liquiditätskennzahl gemäß Basel III-Rahmenwerk. Der ASF-Wert bemisst denjenigen Anteil des Eigenkapitals und der Verbindlichkeiten einer Bank, der voraussichtlich auch in einem Jahr noch zur Verfügung steht. Die Berechnung erfolgt durch Multiplikation der Buchwerte einzelner Finanzierungspositionen mit ASF-Faktoren zwischen 0 Prozent und 100 Prozent, die die erwartete Stabilität der jeweiligen Refinanzierungsquelle abbilden. Die Summe aller gewichteten Positionen ergibt das Gesamtvolumen der verfügbaren stabilen Refinanzierung.
Vorkommen und Verwendung
ASF wird im Rahmen der NSFR-Berechnung verwendet, die seit dem 1. Januar 2018 als Mindeststandard für alle international tätigen Banken gilt. Die NSFR setzt ASF ins Verhältnis zur Required Stable Funding (RSF, Erforderliche stabile Refinanzierung) und muss dauerhaft mindestens 100 Prozent betragen. Institute müssen die Kennzahl vierteljährlich an die Aufsichtsbehörden melden.
Die ASF-Faktoren orientieren sich an zwei Dimensionen: der Laufzeit der Refinanzierung sowie der Art der Finanzierungsquelle und des Kontrahenten. Eigenkapital, langfristige Verbindlichkeiten ab einem Jahr Restlaufzeit sowie stabile Einlagen von Privatkunden und kleinen Unternehmen erhalten hohe ASF-Faktoren zwischen 95 Prozent und 100 Prozent. Kurzfristige Großkundeneinlagen, operative Einlagen und Finanzierungen mit Restlaufzeiten unter einem Jahr werden mit niedrigeren Faktoren zwischen 0 Prozent und 50 Prozent gewichtet.
Relevanz
ASF dient der Sicherstellung einer angemessenen Fristentransformation und verringert strukturelle Liquiditätsrisiken. Durch die Verpflichtung, illiquide Aktiva mit stabilen Passiva zu finanzieren, wird die Abhängigkeit von kurzfristigen Refinanzierungsquellen begrenzt und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Finanzierungskrisen erhöht. ASF ergänzt die Liquidity Coverage Ratio (LCR), die kurzfristige Liquiditätsrisiken über 30 Tage abdeckt, und wirkt längerfristig über einen Jahreshorizont.
Institute mit unzureichender ASF müssen ihre Refinanzierungsstruktur anpassen, etwa durch Emission langfristiger Schuldtitel, Erhöhung des Eigenkapitals oder Reduzierung illiquider Aktiva. Die Kennzahl beeinflusst Geschäftsmodelle, insbesondere in Bereichen mit hoher Fristentransformation wie der langfristigen Kreditvergabe, und fördert ein ausgewogenes Verhältnis von Aktiv- und Passivseite.
Beispiel, Synonyme oder verwandte Begriffe
Weitere Informationen
Die rechtliche Verankerung erfolgt durch die Capital Requirements Regulation (CRR II) in der EU sowie nationale Umsetzungsvorschriften. Zuständige Aufsichtsbehörden sind die Europäische Zentralbank (EZB) für bedeutende Institute im Rahmen des Single Supervisory Mechanism (SSM) sowie nationale Behörden wie BaFin und Deutsche Bundesbank für weniger bedeutende Institute. Technische Standards werden von der European Banking Authority (EBA) und dem Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) erarbeitet.
Weiterführende Details, regulatorische Vorgaben und Methodikbeschreibungen finden Sie auf Regupedia: www.regupedia.de
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