Definition des Begriffs
Asset-Backed Commercial Paper (ABCP), auf Deutsch forderungsgedeckte Geldmarktpapiere, ist ein kurzfristiges Schuldinstrument, das durch einen Pool von Finanzaktiva besichert ist. Die Laufzeit liegt typischerweise zwischen einem und 270 Tagen, durchschnittlich bei etwa 30 Tagen. ABCP wird von einer Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle, SPV), auch als Conduit bezeichnet, emittiert, die von einem Sponsor, meist einer Bank oder einem Finanzinstitut, eingerichtet und verwaltet wird. Das Instrument verbindet Merkmale klassischer Commercial Paper mit Elementen der Verbriefung und ermöglicht es Unternehmen und Finanzinstituten, kurzfristige Liquidität zu beschaffen, indem sie Forderungen oder andere Vermögenswerte in handelbare Wertpapiere umwandeln.
Struktur und Funktionsweise
Die Zweckgesellschaft erwirbt Finanzaktiva von einem oder mehreren Verkäufern, etwa Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Kreditkartenforderungen, Autokredite, Hypotheken oder andere Asset-Backed Securities (ABS). Zur Finanzierung dieser Vermögenswerte emittiert die Zweckgesellschaft kurzfristige Wertpapiere an institutionelle Investoren wie Geldmarktfonds. Die erworbenen Vermögenswerte dienen als Sicherheit für das ABCP. Die erwarteten Zahlungsströme aus diesen Aktiva, beispielsweise monatliche Kreditraten, finanzieren die Zins- und Tilgungszahlungen an die Investoren. Bei Fälligkeit wird das ABCP entweder durch Emittierung neuer Papiere refinanziert oder durch Liquiditätsfazilitäten des Sponsors zurückgezahlt.
Beteiligte Parteien
Zu den zentralen Akteuren gehören der Sponsor, der die Struktur einrichtet und verwaltet, die Verkäufer der Vermögenswerte, die Zweckgesellschaft als Emittent, die Investoren, typischerweise institutionelle Anleger, sowie Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit des ABCP bewerten. Häufig stellt der Sponsor auch Liquiditäts- und Kreditverbesserungen bereit, um das Risiko für Investoren zu reduzieren.
Regulatorischer Rahmen
In der Europäischen Union unterliegt ABCP der Verbriefungsverordnung (EU) 2017/2402 (SECR), die Anforderungen an Risikoselbstbehalt, Transparenz und das Verbot von Wiederverbriefungen festlegt. ABCP-Programme können als STS (Simple, Transparent and Standardised) qualifiziert werden, was regulatorische Erleichterungen für Investoren bedeuten kann. Die Europäische Zentralbank (EZB) beaufsichtigt im Rahmen des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) die Einhaltung dieser Vorgaben bei bedeutenden Instituten. Geldmarktfonds dürfen gemäß der Geldmarktfondsverordnung (EU) 2017/1131 bis zu 20 Prozent ihres Vermögens in STS-ABCP und bis zu 15 Prozent in Nicht-STS-ABCP investieren.
Relevanz und Anwendung
ABCP ist ein wichtiges Instrument für kurzfristige Unternehmensfinanzierung und ermöglicht Zugang zu Kapitalmärkten mit attraktiven Finanzierungskonditionen. Es dient der Diversifizierung von Finanzierungsquellen und der Optimierung der Bilanzstruktur. Für Investoren bietet ABCP eine kurzfristige Anlagemöglichkeit mit attraktiver Rendite und hoher Liquidität.
Risiken und Besonderheiten
Zentrale Risiken sind Liquiditätsrisiken bei ausbleibender Refinanzierung, Kreditrisiken bei Verschlechterung der Sicherheitenqualität sowie Bewertungsrisiken bei sinkenden Marktpreisen der zugrunde liegenden Aktiva. Die Finanzkrise 2007 bis 2008 zeigte diese Vulnerabilität deutlich, als Investoren aufgrund von Unsicherheiten im US-Hypothekenmarkt den Kauf von ABCP einstellten, was zu erheblichen Liquiditätsproblemen führte. Seitdem wurden regulatorische Anforderungen verschärft und die Marktstruktur gestärkt.
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